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Leasingbranche erholt sich langsam

Von Andrea Möchel

Wirtschaft
Jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug in Österreich ist geleast.
© fotolia/thomasknospe

Die heimische Leasingbranche verzeichnete im ersten Halbjahr Zuwächse, im dritten Quartal gab es einen Dämpfer. Nun hofft man auf Investitionsanreize durch die angekündigte Steuerreform.


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Wien. Die österreichische Leasingbranche hat einige harte Jahre hinter sich. Doch nun scheint sich das Neugeschäft, nach dem Einbruch im Krisenjahr 2009 und einem neuerlichen Rückfall 2012, wieder zu stabilisieren. Nach einem Plus bei den Leasing-Neugeschäften im Jahr 2013 von satten 12,7 Prozent im Vergleich zu 2012 konnte auch das erste Halbjahr 2014 mit einem soliden Zuwachs von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufwarten.

Laut dem Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL) erreichte das gesamte Leasingneugeschäft in den ersten beiden Quartalen ein Volumen von knapp 2,7 Milliarden Euro. Die Anzahl der neuen Verträge stieg um 3,1 Prozent auf 86.854 Stück. Wobei sich speziell das Kfz-Leasing erfreulich entwickelt. "Trotz stetig sinkender Neuzulassungen bleibt die Anzahl der neu zugelassenen Fahrzeuge, die geleast werden, konstant und lag mit Ende September bei 33,8 Prozent", bestätigt VÖL-Generalsekretär Wolfgang Steinmann der Wiener Zeitung. "Das bedeutet, mehr als jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug in Österreich ist geleast."

Firmen setzen auf Leasing

Demnach konnte das Kfz-Leasing-Neugeschäft von Jänner bis Juni 2014 um 7,4 Prozent auf 1,877 Milliarden Euro gesteigert werden. Gleichzeitig wuchs die Anzahl der neu abgeschlossenen Kfz-Leasingverträge auf 77.709, das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent. Anders als 2013, als die Zuwächse in den Bereichen Immobilien- und Mobilien-Leasing besonders stark waren, punktet man derzeit also im Kfz-Bereich.

Auffallend ist der Aufwärtstrend in den Profi-Sparten Lkw/Bus und Fuhrparkmanagement. Beide Segmente verzeichneten in den beiden ersten Quartalen 2014 mit jeweils rund acht Prozent die höchsten Zuwächse beim Neugeschäft. "Das Fuhrparkmanagement hat sich gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als stabiler Faktor erwiesen", erklärt Wolfgang Steinmann den Trend. "Fuhrparkprofis helfen Unternehmen, die sich nicht ausschließlich und täglich mit der Verwaltung ihres Fuhrparks beschäftigen wollen, beim Kostensparen. Je nach Größe des Fuhrparks und der Organisation können die Einsparungen bis zu 15 Prozent betragen."

Zugleich nimmt die Nachfrage nach Dienstleistungen rund um Firmenfahrzeuge weiter zu, und sogenannte Fullservice-Leasingverträge werden immer beliebter. Neben der reinen Finanzierung umfasst das Fuhrparkmanagement sowohl Beschaffung, Zulassung und Übergabe als auch die bargeldlose Abwicklung von Service, Reparaturen, Reifenwechsel und Tanken, Versicherungsberatung und Schadensmanagement bis hin zur Verwaltung und Verwertung der Fahrzeuge. "Das bedeutet sorgenfreie Mobilität über die gesamte Nutzungsdauer hinweg", betont Steinmann. Es sei daher wenig überraschend, dass die Nachfrage nach Fuhrparkdienstleistungen in den vergangenen Jahren konstant gestiegen ist und sich derzeit auf Rekordniveau befindet. "Ende Dezember 2014 könnte erstmals die magische Grenze von 100.000 Flottenfahrzeugen geknackt werden", hofft Steinmann.

Zukunftsmarkt Mobilien-Leasing

Eine starke Performance liefert auch heuer der Bereich Mobilien-Leasing. Diese Sparte verzeichnet im ersten Halbjahr 2014 ein Plus beim Neugeschäft von 10,9 Prozent. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge erhöhte sich sogar um 19,5 Prozent. "Egal ob Flugzeug, Maschinenanlage, EDV-Ausstattung oder Windpark, es gibt quasi kein mobiles Objekt, das nicht leasingfähig ist", betont Steinmann. "Gerade bei den immer kürzer werdenden Entwicklungszyklen vermag Leasing als Finanzierungsform ihre Stärken auszuspielen." So hätten Unternehmen die Sicherheit, technologisch immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Einzelne Geräte können während der gesamten Vertragslaufzeit getauscht werden, ohne dass sich dadurch die Leasingrate verändert. Und wenn sich die Technologie weiterentwickelt, hat das Unternehmen die Möglichkeit, neue Geräte anzuschaffen.

Allerdings gibt es innerhalb des Segments Mobilien-Leasing deutliche Verschiebungen. Während die Auf- und Anhänger mit einem Plus von 66,6 Prozent den stärksten Zuwachs erzielten, gefolgt von den Maschinen (plus 34,8 Prozent), musste man bei Luft-, Schienen- und Wasserfahrzeugen (minus 61,2 Prozent) sowie medizintechnischen Geräten (minus 31,9 Prozent) Verluste hinnehmen.

Immobilienleasing schwächelt

Auffallend schwach entwickelt sich heuer das Immobilien-Leasing: Dabei war diese Sparte 2013 mit einer Verdoppelung des Neugeschäfts noch das Wachstumszugpferd des Leasingmarktes. Heuer ist das ganz anders. "Das Immobilien-Leasing blieb in den ersten drei Quartalen bei der Anzahl der Verträge mit minus 5,9 Prozent und vor allem auch bei dem Neugeschäftsvolumen mit minus 62,5 Prozent deutlich hinter dem herausragenden Vorjahresergebnis zurück", bedauert Steinmann. "Allerdings ist gerade dieses Segment sehr volatil und aufgrund von einzelnen Großprojekten, die im vergangenen Jahr finanziert wurden, sowie deren langer Vorlaufzeiten, sehr starken Schwankungen ausgesetzt."

Bleibt die Tatsache, dass die heimische Leasingbranche im dritten Quartal 2014 einen Dämpfer hinnehmen musste. "Der Erfolgskurs des ersten Halbjahres erfuhr im dritten Quartal mit einem Minus von 8,6 Prozent beim Neugeschäftsvolumen eine Trendumkehr", räumt Steinmann ein.

Angesichts der wenig erfreulichen Wirtschaftsprognosen für 2015 appelliert die Leasingbranche nun an die Bundesregierung. "Die heimischen Leasingunternehmen stehen der österreichischen Wirtschaft gerade in unsicheren Zeiten als Finanzierungspartner zur Seite", betont Steinmann, "deshalb ist es so besonders wichtig, mit der angekündigten Steuerreform entsprechende Investitionsanreize für Unternehmen zu schaffen."