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Leben an einem Tag

Von Ina Weber

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Ein kleiner Bub verdient sein Geld auf der Straße als Schuhputzer. Er erzählt aus seinem Leben und beginnt mit dem Satz "Als ich noch klein war . . .". Ein anderer Bub auf einem anderen Kontinent ist bockig. Er kann es nicht ertragen, dass seine Mutter sterbenskrank ist. "Es tut mir leid, mein Schatz, aber mir ist es noch nie so schlecht gegangen", sagt die Mutter zu ihm, während der Vater die Kamera hält. "Aber wir halten diesen Augenblick jetzt für die ganze Welt fest. Wir wollen fröhlich sein." "Warum?", fragt der Bub. "Weil das jetzt für uns hier ein besonderer Tag ist", so der Vater.

Den 24. Juli 2010 zum besonderen Tag gemacht haben die Oscar-Preisträger und Filmemacher Kevin Macdonald und Ridley Scott, als sie die Menschen aufriefen, an jenem Tag ihr Leben zu filmen und auf YouTube zu stellen. "Was liebst du? Was hast du in der Tasche? Was fürchtest du", wurden sie gefragt. 80.000 Filme aus 192 Ländern waren das Ergebnis. Die Auswahl ergab den 100-minütigen Kinofilm "Life in a day", eine Collage aus Alltagsbildern. Schönes und Schreckliches: eine Mutter mit ihrem Neugeborenen, Drogensüchtige, ein schreiendes Kind oder die Massenpanik auf der Duisburger Loveparade, die ausgerechnet an diesem Tag stattfand. Die Bilder erzählen Geschichten und zeigen, wie unterschiedlich Menschen auf dieser Welt leben. Doch Geburt, Freundschaft, Freude, Glück, Tod und Trauer sind überall gleich. Ein guter filmischer Versuch mit Menschen auf der ganzen Welt - jenseits von Handy-Werbungen - verbunden zu sein.