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Lebenshilfe polonaise

Von Milagros Martínez-Flener

Politik
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Junge Polen sollen wieder Lust an der polnischen Sprache finden.
© Flener

Die polnische Zeitschrift "Polonika" erklärt Polen in Wien, wo sie die besten Pierogi in der Stadt bekommen.


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Wien. "Ich verstehe nicht alles auf Deutsch, aber durch ,Polonika‘ erfahre ich, was und wie ich etwas in Wien machen muss", erzählt Barbara Zak. Etwa, dass ihr Mann bei seiner Ankunft in Österreich sein Auto besser anmelden sollte, wenn er keine Strafe zahlen will. Das Finanzministerium führte damals eine Schwerpunktaktion gegen Fahrzeughalter mit ausländischen Kennzeichen durch. Dank der Warnung von "Polonika" hat sich das Paar damals eine Strafe erspart.

Für viele Polen in Wien ist die Monatszeitschrift "Polonika" mehr als nur ein Printmedium. Es ist Lebenshilfe, Sprachkurs und ein bisschen Heimat in der Fremde. Eine Leserin, die seit 40 Jahren in Wien lebt, schreibt, dass durch "Polonika" ihre Tochter und sogar ihre Enkelkinder Interesse an der polnischen Sprache entdeckt hätten. Eine andere Leserin meinte, sie wäre sehr einsam und "Polonika" erfülle ihre Tage.

",Polonika‘ half mir sehr, als ich nach einem polnischsprachigen Kinderarzt suchte", erzählt Zak. Auch in Sachen Ernährung findet die 28-jährige Hausfrau bei der Zeitschrift Rat, vor allem wenn sie nach Zutaten für die polnische Küche sucht. "Ohne sie würde das Essen anders schmecken", sagt die Mutter von zwei Söhnen und schmunzelt.

Diese Form der Hilfestellung finden die Leser in jeder Ausgabe der Zeitschrift. Jeden Monat werden hier polnische Firmen, Übersetzer, Ärzte, Anwälte und Kosmetiker aus ganz Österreich aufgelistet.

"Meine Mission ist es, den Polen in Wien zur Integration zu verhelfen, die alte Heimat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und die polnische Kultur und Sprache bei der zweiten Generation am Leben zu erhalten", erklärt sich Halina Iwanowski. Gemeinsam mit ihrem Mann Slawomir brachte die energische Mittvierzigerin 1996 die erste Ausgabe der "Polonika" heraus. In den Redaktionsräumen am Rennweg im dritten Bezirk, nahe der polnischen Kirche, arbeitet ein vierköpfiges Team an der Gestaltung des knapp 50 Seiten starken Heftes.

Bis heute finanziert sich das Magazin ausschließlich über die verkaufte Auflage, Abonnements in ganz Österreich und mit Anzeigen, die von polnischen und österreichischen Unternehmen geschaltet werden. 4000 Stück beträgt die monatliche Auflage.

Neues Selbstbewusstsein für die polnische Putzfrau

Neben der polnischen Kirche und dem polnischen Kulturinstitut ist "Polonika" eine zentrale Institution innerhalb der 40.000 Menschen großen Community in Wien. Für all jene, die sich mit der deutschen Sprache schwertun, bietet "Polonika" Orientierungshilfe. Die Zeitschrift berichtet regelmäßig über wichtige kulturelle Ereignisse und führt Interviews mit österreichischen Persönlichkeiten wie zum Beispiel Bundespräsident Heinz Fischer.

Halina Iwanowski ist überzeugt, dass die Berichterstattung dazu beigetragen habe, das Selbstbewusstsein der Polen in Österreich zu festigen. Lange Zeit galt das Klischee der polnischen Putzfrauen und Bauarbeiter. Dieses Thema wurde von den Herausgebern aufgegriffen und die Herausgeber beschlossen, in der Rubrik "Das Gespräch des Monats" erfolgreiche Polen in Österreich zu präsentieren. Daraus entwickelte sich gemeinsam mit der polnischen Botschaft der Wettbewerb "Top-Unternehmen Polen-Österreich", der heuer bereits zum neunten Mal stattfindet.

Beiträge auf Deutsch für die zweite Generation

Die Redakteure der "Polonika" schreiben aber nicht alle Beiträge auf Polnisch, sondern auch auf Deutsch. Viele Kinder der zweiten Generation sprechen mittlerweile besser Deutsch als Polnisch.

"Polonika" wollte bewusst diese zweite Generation ansprechen und veröffentlicht zunehmend mehr Beiträge auf Deutsch. Zu diesem Zweck hat die Zeitschrift eine kleine Gruppe von Jugendlichen polnischer Abstammung ausgebildet, die nur auf Deutsch schreibt. "Die Jugendlichen, egal woher sie kommen, haben ähnliche Probleme", erklärt Veronika Iwanowski, Tochter der beiden Verleger, ihren Standpunkt. Deshalb schreibt sie über Themen, die sie und ihre Altersgenossen unabhängig von ihrer Herkunft interessieren und betreffen.

Das Thema Integration haben sich die Herausgeber Iwanowski ganz groß auf die Fahne geschrieben. So organisiert das Paar neben der Redaktionsarbeit auch Deutschkurse für ihre Landsleute und kümmert sich insbesondere um die Integration älterer Polen, denen "in SMS-Kursen" die neuen Technologien nähergebracht werden sollen. Ebenso organisieren sie Stadtrundgängen in Wien, damit sich die Senioren in ihrer neuen Heimat zurechtfinden und wohlfühlen.

"Wir hätten nie gedacht, dass wir so viele Leute damit begeistern können", sagt Halina Iwanowski stolz. Viel Zeit für die Senioren bleibt ihr aber nicht. Schließlich gilt es die nächste Nummer der "Polonika" zu produzieren, damit Barbara Zak auch dieses Jahr weiß, wo sie in Wien die besten Zutaten für die polnischen Osterkuchen Pascha und Mazurek herbekommt.