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Lebensmittel: Billig, viel und Premiumqualität wird nicht gehen

Von Heike Hausensteiner

Europaarchiv

In der EU soll es mehr Qualität, Sicherheit und Transparenz über Lebensmittel und die Landwirtschaft geben. Darüber waren sich die Teilnehmer am Runden Tisch zur Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik in Wien einig. Was kann getan werden, um die Wünsche von Konsumenten und Produzenten, von Landwirten und Politikern unter einen Hut zu bringen? Zum Beispiel muss das Agrarfördersystem umgestellt werden, und die Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass im Produkt auch drinnen ist, was drauf steht. Eine Orientierungshilfe sind hier etwa Gütesiegel.


Die Kommission tischt auf in der EU. Sie hat ein Initiativrecht. Bei dem, was sie vorgesetzt bekommen, sollen die Konsumenten nun auch mitreden. Das ist das Ziel der Gesprächsrunden, die die Kommissare Franz Fischler (Landwirtschaft) und David Byrne (Verbraucherschutz) in den nächsten Monaten in allen Mitgliedstaaten führen.

"Heute muss die gesamte Agrarpolitik vom Konsumenten her gedacht werden", betonte Franz Fischler nach dem Gespräch mit Konsumentenschützern, Produzenten, Biolandwirten und Marketingexperten in Wien. "Wir müssen die gesamte Lebensmittelkette, vom Futtermittel bis zur Ladendecke, optimieren." Wissen Sie, wieviele Kilometer das Tier zurück gelegt hat, bevor es geschlachtet wurde und Sie das Fleisch verspeisen? Oder wieviele Leistungsförderer (Antibiotika) das Tier bekommen hat?

Gütesiegel

Umwelt- und Tierschutzauflagen müssten eingehalten werden, so Fischler. Ein Schritt dazu soll die geplante Lebensmittelbehörde sein (siehe unten stehenden Bericht). "Unsere Lebensmittel sind nur so gut, wie die Glieder in der Verarbeitungskette." Die Kontrollen müssten verbessert und eindeutige rechtliche Grundlagen für die Lebensmittelsicherheit geschaffen werden. Wichtig sei die Herkunft eines Produktes, eine bestimmte Region bedeute aber nicht automatisch eine hohe Qualität. Gütesiegel seien hier eine Orientierungshilfe für die Konsumenten. Die EU will die Regeln für Qualitätssiegel verbessern, "damit jedes dieser Siegel auch die Wahrheit sagt", so Fischler. Ein einheitliches EU-weites Gütesiegel wird es nicht geben. Das würde statt einer größeren Vielfalt, eher Einfalt bringen. Schließlich werde die Vielfalt der Konsumenten immer größer. Diesen Bedürfnissen müsse Rechnung getragen werden.

Vielfalt statt Einfalt

In der Landwirtschaft sei das Fördersystem in den vergangenen Jahren bereits umgestellt worden, unterstrich der Agrarkommissar. 70 Prozent des gemeinsamen Agrarbudgets gingen direkt an die Landwirte.

Wichtig seien Einstiegshilfen für Bauern am Land, "damit nicht immer mehr in die Städte abwandern".

Landwirtschaft müsse sich an der Nachfrage orientieren. "Heutzutage ist es nicht mehr genug, nur Rohmaterialien zu produzieren. Die Verbraucher wollen Qualität." Diese müssten aber auch bereit sein, den Erzeugern die Einhaltung höherer Umwelt-, Tierschutz- oder Hygienestandards über den Preis abzugelten. "Billig, viel und Premiumqualität gleichzeitig, das wird nicht funktionieren", so Fischler.

Die Ergebnisse der Gespräche, die der Landwirtschafts- und der Verbraucherschutzkommissar in den EU-Mitgliedstaaten führen, sollen in einen Aktionsplan der Kommission einfließen. Die Erwartungen der Bürger an die Agrar- und die Lebensmittelpolitik sollen nächstes Jahr in der Halbzeitbewertung der Agenda 2000 berücksichtigt werden.