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Leder & Schuh tritt kürzer

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft
In Osteuropa ist die Grazer Leder & Schuh-Gruppe vor allem mit Humanic-Geschäften präsent. Nach einer raschen Expansion wurde zuletzt das Standortnetz des Konzerns in Osteuropa gestrafft.
© Leder & Schuh AG

Für den Humanic-Mutterkonzern Leder & Schuh haben sich die Erwartungen an Osteuropa und an die Übernahme von Stiefelkönig nicht erfüllt. In der Grazer Zentrale müssen bis zu 65 Mitarbeiter gehen, Filialstandorte stehen auf dem Prüfstand.


Graz. Auf gesunde Beine stellen will sich die Leder & Schuh-Gruppe nach ihrer raschen Expansion in Zentral- und Osteuropa. Der österreichische Marktführer, der in zehn Ländern präsent ist, kündigt bis Ende März in der Firmenzentrale in Graz bis zu 65 Mitarbeiter. Nach der Schließung einiger Standorte steht nun auch eine Zusammenlegung einzelner Vertriebslinien zur Diskussion.

Mit sechs verschiedenen Marken, unter denen die Geschäfte auftreten - Humanic, Stiefelkönig, Jello, Shoe4you, Corti und Dominici - sammeln sich vergleichsweise hohe Kosten für Marketing & Co. an. Beim Nachdenken über die strategische Ausrichtung seien auch die einzelnen Vertriebslinien ein Thema, sagt Werner Weber, Vorstand von Leder & Schuh. Man stecke "mittendrin in den Überlegungen", Entscheidungen seien noch keine getroffen worden. Von einem Branchenkenner heißt es, das Unternehmen sollte sich auf den "gesunden Kern", nämlich Humanic und Shoe4You, konzentrieren.

Spärliche Präsenz in einzelnen Ländern "kein Zielzustand"

In Deutschland wurden bereits Jello-Filialen auf Shoe4You umgestellt, Jello ist nur mehr mit zwei Filialen vertreten. In Kroatien verfügt der Billiganbieter überhaupt nur über ein Geschäft. Der 2011 übernommene Konkurrent Stiefelkönig hat je eine Filiale in Kroatien und der Slowakei. Und die umsatzstärkste Konzernmarke Humanic ist in Polen beispielsweise nur mehr mit vier Standorten präsent, in Bulgarien hält man laut Filialfinder auf der Webseite bei fünf Filialen. Für die einzelnen Ländergesellschaften summieren sich hohe Overheadkosten, heißt es aus der Branche.

Dass man bei ein bis zwei Standorten in einem Land nicht von einer guten Präsenz sprechen könne, ist laut Weber klar: "Das kann kein Zielzustand sein." Entscheidungen darüber, wo eine Präsenz sinnvoll ist, seien "Work in Progress".

Aus der Schweiz hat sich Leder & Schuh bereits vier Jahre nach dem Markeintritt 2008 zurückgezogen, auch in Polen und Ungarn wurden Filialen geschlossen.

Im Vorjahr "dezenterSchritt ins Plus"

Zuletzt sank die Anzahl der Filialen - insgesamt hält Leder & Schuh derzeit bei 349 Filialen, etwas mehr als im Jahr 2009. 2012 verfügte der Konzern noch über 378 Standorte - jeweils die Hälfte davon im Ausland. Die "Straffung des Filialportfolios" in CEE und auch bei Stiefelkönig begründet Weber mit enttäuschten Erwartungen: Viele Händler hätten demnach mit überzogenen Erwartungen und hoher Geschwindigkeit in CEE expandiert. "Die Erwartungen haben sich für uns nicht zur Gänze erfüllt, da muss man entsprechend gegensteuern." Mit der Geschäftsentwicklung in CEE war Weber im Vorjahr "nicht unzufrieden". Details zu einzelnen Ländergesellschaften oder Vertriebsschienen nennt er nicht.

Auch bei Stiefelkönig haben sich laut Weber "die Erwartungen in die Übernahme nicht in dem Maße erfüllt". Seit der Übernahme des Konkurrenten, für den die Bawag jahrelang keinen Käufer fand, schrieb der Konzern Verluste. Laut den letztverfügbaren Zahlen aus 2013 lag der Bilanzverlust bei 10,2 Millionen Euro. In der Branche sieht man strategische Fehler wie die Übernahme von Stiefelkönig, zudem ließen zahlreiche Vorstandswechsel den Konzern nicht zur Ruhe kommen.

"Das Unternehmen konzentriert sich auf die operative Gesundung", sagt Weber. 2014 habe man hier gute Fortschritte gemacht: "Das operative Ergebnis wurde verbessert und ein dezenter Schritt ins Plus geschafft." Die anstehenden Kündigungen - 65 Mitarbeiter quer über alle Bereiche in der Konzernzentrale wurden im Februar beim AMS-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet - sollen auch 2015 einen weiteren Schritt in die schwarzen Zahlen bringen. Man müsse die Organisation agiler und zeitgemäßer aufstellen, so Weber. Die Zahl der Mitarbeiter ist zuletzt stark gesunken - von mehr als 4200 im Jahr 2012 auf 3900 ein Jahr später und nun auf 3400.

Im Vorjahr sei der Umsatz flächenbereinigt gestiegen, so Weber. Ähnliche Erwartungen hat der Vorstand für 2015, auch wenn die Konsumlaune seinen Aussagen zufolge schon einmal besser war. Zudem eröffnen Billiganbieter wie Deichmann und CCC aus Polen immer mehr Filialen, für Anbieter von Leder & Schuh bis Salamander wird der Wettbewerb härter. Im Vorjahr sanken die Umsätze der Branche laut KMU Forschung inflationsbereinigt um 0,4 Prozent.

Restrukturierung ist Bedingung in Vereinbarung mit Banken

Die größeren Agenden der Restrukturierung des Standortnetzes in Osteuropa und Stiefelkönig seien nun weitgehend erledigt, die mit den Banken vereinbarten finanziellen Ziele für 2014 habe Leder & Schuh erreicht, so Weber. Die Restrukturierung ist Voraussetzung dafür, dass die Banken die Kredite nicht fällig stellen. Bis Ende 2016 ist die Finanzierung durch die Banken gesichert.

Als Besicherung dienten dem Handelskonzern im Eigentum der MRHG Holding AG, die mehrheitlich der steirischen Familie Mayer-Rieckh gehört, alle Markenrechte, die Bestände des Zentrallagers in Pohorelice und Anteile an heimischen Tochterfirmen, zitierte der "Standard" aus einem Lagebericht. Verpfändet wurden zudem Wohnungen von Leder & Schuh und die Bildersammlung der Eigentümerfamilie.