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Legal oder illegal ist ihnen egal

Von Martyna Czarnowska

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Es ist nicht Naivität, die viele Kosovaren im Westen um Asyl ansuchen lässt.


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Ob die Kampagne Wirkung zeigt, wird sich noch weisen. Die ersten Zeitungsinserate erschienen jedenfalls am gleichen Tag, als die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im Kosovo ankam. Dort wollte die Politikerin jene Botschaft nochmals unterstreichen, die ihre Behörde in serbischer und albanischer Sprache in der kosovarischen Presse drucken ließ. "Schlepper lügen", hieß es da. Und dass es in Österreich weder Asyl noch eine Rückkehrprämie für Menschen gebe, die sich aus wirtschaftlicher Not heraus dorthin flüchten.

Pristina war die letzte Station der Balkan-Reise, die Mikl-Leitner in dieser Woche unternommen hatte. Auf den umgekehrten Weg hatten sich in den letzten Wochen tausende Kosovaren gemacht: Über die serbisch-ungarische Grenze gelangten sie nach Westeuropa, mit dem Ziel, in Österreich oder in Deutschland bleiben zu können. Die Wörter "Ansturm" und "Asylmissbrauch" fanden schnell wieder ihren Platz in Boulevardmedien.

Die österreichische Inseratenkampagne wird jedoch kaum das Problem korrupter Grenzbeamter und Menschenschmuggler lösen, die für ihre Dienste übrigens mittlerweile weit weniger Geld verlangen als noch vor einigen Jahren. Es sind auch nicht alle Kosovaren so naiv zu glauben, dass sie im Westen sofort Unterkunft und finanzielle Unterstützung erhalten. So manchem ist ebenfalls bewusst, dass ihr junger Staat in Österreich als sogenanntes sicheres Herkunftsland gilt, was bedeutet, dass so gut wie alle Asylanträge abgelehnt werden. Einige rechnen sogar damit, wieder abgeschoben oder ausgewiesen zu werden, doch hoffen sie, in der Zwischenzeit durch Schwarzarbeit beispielsweise etwas Geld zu verdienen. Das ist nicht einmal ein neues Phänomen: Jahrzehnte lang haben Kosovaren auf diese Weise ihre Familien unterstützt. Davon hielten sie weder immer schärfere Asylgesetze noch die Aufrechterhaltung der Visumpflicht ab, die auf dem Balkan nur noch sie betrifft.

Es ist die Perspektivenlosigkeit, die sie aus ihrem Land treibt. Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, jeder zweite Jugendliche hat keinen Job, und im Winter gibt es genug Menschen, die es sich nicht leisten können, ihre Häuser zu heizen. Die ökonomische Entwicklung müsse also im Mittelpunkt stehen, erklärte der für Nachbarschaftspolitik zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn, der gerade selbst aus der Region zurückgekommen ist. Nur eine bessere wirtschaftliche Lage könne die Menschen von der "illegalen Migration" abhalten. Über "legale Kanäle" der Einwanderung sprach wiederum kurz zuvor Hahns Kommissionskollege Dimitris Avramopoulos, der für Migrationspolitik verantwortlich ist, wobei er sich allerdings in erster Linie auf Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern bezog.

Bloß: In der EU gibt es keine gemeinsame Einwanderungspolitik. Jedes Land ist darauf bedacht, seine eigenen Einschränkungen aufrecht zu erhalten. Gesteuerte Migration, die es etwa erlaubt, benötigte Arbeitskräfte in die Union zu holen, ist in Europa noch nicht in Sicht. Um trotzdem dorthin zu gelangen, versuchen es so manche über den Umweg "Asyl" - auch wenn sie keinen Anspruch darauf haben. Doch ein anderer Weg steht ihnen nicht offen.