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Lehramtsstudium soll für Maturanten attraktiver werden

Von Patrick Krammer

Politik

Bildungsminister Polaschek spricht von 1.000 Bewerbungen für Lehrer-Quereinsteiger. Jetzt soll die Kampagne Maturanten abholen.


An Österreichs Schulen herrscht in einigen Regionen und Fächern ein Lehrermangel. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) versucht das Problem auf mehrere Wege zu lösen: Es kommen vermehrt Lehramtsstudenten zum Einsatz, und es wird an einer Verkürzung des Studiums gearbeitet, um schneller neue Lehrer an die Schulen zu bekommen. Man hat auch versucht, Pensionisten zurück in die Schule zu holen, was nicht so gut gelang, wie die "Wiener Zeitung" Ende Jänner berichtete. Österreichweit konnte man so lediglich 42 Pensionisten zu den Pflichtschulen lotsen. Es fehle der finanzielle Anreiz, kritisierte die Gewerkschaft.

Besser dürfte Polascheks Versuch funktioniert haben, Quereinsteiger zu rekrutieren. Bei einer Pressekonferenz zur seit Herbst laufenden Kampagne "Klasse Job" am Donnerstag meinte er, dass sich in vier Monaten mehr als 1.000 Quereinsteiger beworben hätten. "Diese Anzahl übersteigt all unsere Erwartungen."

Eigene Kommission, um Eignung festzustellen

Ein Grund für den großen Zuspruch dürfte das sein, was bei den Pensionisten gefehlt hat: eine gute finanzielle Komponente. Quereinsteiger bekommen keinen meist schlechteren Sondervertrag, sondern können gleich ins normale Lehrer-Gehaltsschema einsteigen. Dafür brauchen sie ein passendes Studium, eine dreijährige Berufserfahrung und eine Zertifizierung, mit der man unterrichten darf. Hier entscheidet eine eigene Zertifizierungskommission, welche Bewerber für das Modell in Frage kommen. Rund 300 Personen sind laut Polaschek schon zertifiziert worden und können sich nun an Schulen bewerben. Innerhalb der ersten fünf Jahre müssen Quereinsteiger zudem ein berufsbegleitendes Studium an einer Pädagogischen Hochschule (PH) absolvieren. Das Durchschnittsalter der Bewerber liegt laut Minister bei 40 Jahren, teilt sich etwa gleichmäßig auf alle Regionen und Geschlechter auf.

Quereinsteiger seien vor allem eine kurzfristige Lösung für den Lehrermangel, meinte Polaschek am Donnerstag. Langfristig müsse man mehr junge Menschen für den Lehrberuf begeistern. Deshalb würde "Klasse Job" nun in die zweite Phase übergehen: Wollte man zuerst vor allem Quereinsteiger ansprechen, zielt das Bildungsministerium nun primär auf Maturanten und Maturantinnen ab.

Attraktivität desLehrberufes hervorheben

Dazu sollen nun die attraktiven Seiten des Lehrberufs hervorgehoben werden, um junge Menschen ein Lehramtsstudium schmackhaft zu machen. Dazu soll es digitale Werbekampagnen geben. Schulen und Pädagogische Hochschulen erarbeiten derzeit mit dem Ministerium Werbematerialien. Die Kampagnen sollen laut Bildungsministerium rechtzeitig zum Start der Aufnahme- verfahren für die Lehramtsstudien am 1. März starten.

Über "Klasse Job" arbeitet das Ministerium auch mit Beratungsstellen wie dem Netzwerk der Schüler- und Bildungsberatung zusammen. Gemeinsam tritt man bei großen regionalen Berufsbildungsmessen auf. An Pädagogischen Hochschulen soll zudem ein Konzept für Schnuppertage an Schulen erarbeitet werden, um Schülern den Alltag näher zu bringen. Ob die Schnuppertage nur an der PH oder auch in der Praxis an Schulen stattfinden sollen, steht noch nicht fest. Eine Umsetzung ist derzeit für das kommende Schuljahr geplant.