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"Lehre steht an oberster Stelle"

Von Silke Farmer

Politik

AK will Gütesiegel für Uni-Lehrgänge. | Österreichischer | Wien . Wer in Österreich nach der Matura einen höheren Bildungsweg einschlagen will, dem stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Neben den 25 staatlichen Universitäten, gibt es noch 18 Fachhochschulerhalter, zehn Privatuniversitäten und eine ganze Reihe an Uni- und Weiterbildungslehrgängen.


In Bezug auf die zuletzt genannten Lehrgänge, fordert die Arbeiterkammer (AK) mehr Überschaubarkeit, denn mit dem ansteigenden Angebot nimmt auch die Unübersichtlichkeit zu. AK-Bildungsexpertin Martha Eckl bemängelt, dass "Kosten und Qualität der Ausbildungen fast unmöglich zu vergleichen sind."

"Wachsen aus dem

Boden wie Schwammerl"

Die AK spricht sich für ein Gütesiegel bei Weiterbildungslehrgängen aus, um Qualität zu sichern und um Preis und Leistung einander gegenüber stellen zu können. Für die Bildungsexpertin sei es kein Zufall, dass in Zeiten knapper Mittel die Einnahmequelle Weiterbildungslehrgänge "wie Schwammerl aus dem Boden" wachse.

Der Österreichische Akkreditierungsrat (ÖAR), die Qualitätssicherungsbehörde der heimischen Privatuniversitäten, plädiert dafür, die Lehrgänge an staatlichen Universitäten mit in das System der Akkreditierung einzubeziehen. Die Präsidentin des ÖAR, Hannelore Weck-Hannemann, sagt dazu: "Im Bereich der universitären Weiterbildung treten die öffentlich-rechtlichen Universitäten wie die Privatuniversitäten am freien Markt' auf. Im Gegensatz zu den Privatuniversitäten gibt es aber für die Uni-Lehrgänge keine verpflichtend vorgesehene externe Qualitätskontrolle."

Während es für reguläre Studiengänge an Fachhochschulen den Fachhochschulrat als Qualität sichernde Agentur gibt, fehle bei den staatlichen Universitäten ein richtiges Qualitätsmanagementsystem, bemängelt der Rektor der Wiener TCM-Privatuniversität Li Shi Zhen, Andreas Bayer. Für ihn ist es bezeichnend, dass die staatlichen Universitäten ganz im Gegensatz zu den privaten im internationalen Vergleich so schlecht abgeschnitten haben. Hier sieht Bayer auch den Startvorteil für die privat finanzierten Hochschuleinrichtungen: "Die Lehre steht bei uns an oberster Stelle."

Nach Weck-Hannemann ist das ist einer der Punkte, warum Studierende die vergleichsweise recht hohen Kosten an privaten Einrichtungen - von einigen hundert bis zu fünftausend Euro pro Semester - in Kauf nehmen. Die Einhaltung der Regelzeit, das intensive Betreuungsverhältnis und die hohe Studienerfolgswahrscheinlichkeit nennt sie als weitere Gründe.

Das Interesse an der Gründung neuer Institutionen respektive am Ausbau des Studienangebots bestehender Privatuniversitäten sei nach wie vor groß: "Derzeit stehen wieder drei Institutionen unmittelbar vor dem Akkreditierungsantrag." 16 Verfahren für neue Studiengänge an schon bestehenden Privatuniversitäten sind gerade anhängig. In drei Verfahren geht es um die Reakkreditierung (Verlängerung einer Akkreditierung nach fünf Jahren).

Seit dem Inkrafttreten des Uni-Akkreditierungsgesetzes im Jahr 2000 sind insgesamt zwölf Institutionen zu Privatuniveritäten geworden. Bisher gibt es eine, die International University, deren Akkreditierung widerrufen worden ist und eine, die Imadec, der die Akkreditierung nicht verlängert wurde.

Imadec versteht sich als MBA-Kaderschmiede

Im Fall Imadec wurden vom ÖAR vor allem die Bereiche Personalstruktur und mittelfristige finanzielle Absicherung bemängelt. Zwar muss der entsprechende Bescheid noch von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bestätigt werden, laut Auskunft des ÖAR ändert das aber nichts daran, dass die Imadec nicht mehr den Status einer Privatuniversität hat.

Für den Rektor Christian Joksch ist das aber unerheblich. Die Ausbildungen an der Imadec dürfen als Lehrgänge universitären Charakters weitergeführt werden: "Das Wichtigste ist, dass wir für unsere Studenten Rechtssicherheit haben, was die internationale Anerkennung ihrer Ausbildung anbelangt. Wir verstehen uns weiterhin als MBA-Kaderschmiede."

Auf die Frage, ob die Imadec daran denkt, sich nochmals um Akkreditierung zu bemühen, gibt Joksch die Auskunft: "Würde es sich um echte Privatuniversitäten handeln, wären wir gerne dabei. So wie es derzeit ist, dass ohnehin nur Institutionen mit Landesfinanzierung eine Reakkreditierung schaffen, können wir gut und gerne darauf verzichten."