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Lehrerbildung braucht Rahmen

Von Heiner Boberski

Politik

Bildungsexperte Stefan Hopmann sieht Situation als "nicht Fisch, nicht Fleisch" an.


Wien. "Wenn man ernsthaft wissenschaftliche Lehrerbildung im Sinn von autonomen handlungsfähigen Lehrkräften haben will, dann muss man sich entweder für eine universitäre Integration oder zumindest für die Autonomie der Lehrerbildung als Bedingung ihrer Verwissenschaftlichung entscheiden." Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" vermisst Stefan Hopmann, Bildungswissenschafter an der Universität Wien, eine klare Entscheidung der Politik, wohin die Lehrerbildung gehen soll. Es sei "nicht Fisch und nicht Fleisch", wenn das jüngste Regierungspapier dazu sich in der Präambel zu einer wissenschaftlichen Ausbildung bekenne, aber den Anteil von Pädagogischen Hochschulen (PH) und Universitäten daran offen lasse: "Die Politik muss entscheiden, was sie will."

Hopmann, der bei der gestern und heute in Wien stattfindenden Tagung des Österreichischen Wissenschaftsrates "Lehren lernen - die Zukunft der Lehrerbildung" das Eröffnungsreferat hielt, sieht die derzeitige PH in Österreich als "Ort, wo ich jederzeit Gefahr laufe, über Dienstanweisung gesagt zu bekommen, was ich glauben soll". Es sei, so Hopmann, legitim, Lehrerbildung rein technisch und nicht wissenschaftlich zu gestalten, doch Wissenschaft gebe es nur mit voller Autonomie. Er verweist auf das Bildungsmusterland Finnland: Dort sei die Lehrerbildung rein universitär, die Lehrerbildungsinstitutionen hätten enormen Gestaltungsspielraum und seien keine nachgeordneten Dienstellen, "die ihre Studienpläne zur Genehmigung vorlegen müssen".

In einer Pressekonferenz vor der Tagung nannte der Vizevorsitzende des Wissenschaftsrates Walter Berka das Koalitionspapier "keine unvernünftige Lösung", doch bestünde die Gefahr eines Wildwuchses, wenn jedes Bundesland zu eigenen Regelungen käme. Nach einer Experimentierphase von einigen Jahren müsse die Politik Vorgaben machen. "Ohne regulativen Rahmen" sieht Berka keine positive Zukunft für Österreichs Lehrerbildung.

Quereinsteiger angelockt

Als es in Großbritannien vor zwanzig Jahren einen Lehrermangel gab - wie er sich jetzt auch in Österreich abzeichnet -, habe man mit guten Angeboten Quereinsteiger in diesen Beruf geholt, berichtete Norbert Pachler, Leiter der internationalen Lehrerbildung am Institute of Education der Universität London. Inzwischen ist der Lehrberuf wieder so attraktiv, dass man unter vielen Bewerbern für ein Lehramtsstudium rigoros die Besten aussuchen kann.