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Lehrlingsausbildung contra Dividende

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Telekom-Betriebsrat: Die Aktionäre sollten verzichten. | Quartalszahlen über Erwartungen. | Wien. Auch Telekom-Austria-Betriebsratschef Michael Kolek war am Mittwoch beim Protest der Postler mit dabei: Beide Belegschaften sind durch die Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) vertreten.


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Kolek kann sich gemeinsame Protestaktionen vorstellen, er schränkt jedoch ein: "Wir brauchen uns nicht ins Fahrwasser der Post zu stellen. Es geht nicht um Macht durch Masse, sondern um die Tatsache, dass Unternehmen die Wirtschaftskrise nützen, um Personal abzubauen", sagt er.

Bei der teilstaatlichen, börsenotierten Telekom Austria (TA) steht der Abbau von insgesamt 2500 Mitarbeitern bis Ende 2011 ins Haus. Für die ersten 1250, die bis Ende 2009 gehen sollen, werden 630 Millionen Euro an Rückstellungen gebildet. Laut Konzern sollen diese den Gewinn im vierten Quartal beeinflussen, aber keine Auswirkungen auf den Cash-Flow haben.

Plus und Minus

Die TA, an der der Staat 27,37 Prozent hält, leidet an Kundenschwund im Festnetz. Die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2008 lagen aber über den Erwartungen.

Die Umsatzerlöse legten von Jänner bis September aufgrund einer starken Performance der internationalen Tochtergesellschaften um 6,4 Prozent auf 3,864 Milliarden Euro zu. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab es einen Zuwachs von drei Prozent auf 1,507 Milliarden Euro. Die Dividende für 2008 beträgt unverändert 0,75 Euro.

Letzteres sieht Kolek nicht ein: "Wir sparen im Konzern sogar bei Lehrlingsausbildungen. Wenn die Investoren sagen würden, sie verzichten auch, wäre das eine soziale Maßnahme."

Ohne eine schlagkräftige Zukunftsstrategie hätte aber selbst eine solche Maßnahme wohl nur vorübergehende Auswirkungen. Denn die TA stöhnt zwar unter Kundenschwund im Festnetz, aber oftmals ist der Kunde gar nicht weg. Er ist nur "familienintern" zur Tochter Mobilkom gewechselt. Marktführerin Mobilkom bringt es auf 4,257 Millionen Kunden, während nur mehr 25 Prozent der Sprachminuten im Festnetz telefoniert werden. Gleichermaßen tobt ein Preiskampf auf dem heimischen Mobilfunk-Markt, der bei wachsender Kundenzahl die Spannen senkt.

"Der Mobilfunk kannibalisiert das Festnetz, aber er verbessert auch unser Ergebnis", räumt Mobilkom-Marketing-Vorstand Hannes Ametsreiter ein: "Im Mobilfunk haben wir ein Plus von 2,5 Prozent beim Ebitda, also gute Zuwächse. Wir bieten attraktive Kombi-Angebote, leider sind wir aber als Ex-Monopolist am Markt stark reguliert."

Auch Mobilfunk-Mitbewerber T-Mobile musste in den ersten neun Monaten ein Umsatzminus um zehn Prozent hinnehmen.