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Leichte Wiederwahl nach gescheitertem Attentat

Von Amal Jayasinghe

Politik

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Mit dem Versprechen, in ihrem vom Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen zerissenen Land für Frieden zu sorgen, war Chandrika Kumaratunga 1994 zur Präsidentschaftswahl angetreten. Fünf Jahre

danach ist Sri Lanka davon so weit entfernt wie eh und je, und die anhaltenden Spannungen haben Kumaratunga beinahe selbst das Leben gekostet. Beim Abschluss ihres Wahlkampfs am Samstag stürzte sich

eine Selbstmord-Attentäterin auf die Präsidentin. Kumaratunga wurde durch ihre Leibwächter gerettet, doch 21 Menschen starben.

Das Attentat hätte die 54-Jährige fast zum dritten Gewaltopfer in ihrer Familie gemacht: Bereits ihr Vater Salomon Bandaranaike und ihr Ehemann Vijaya Kumaratunga wurden von politischen Extremisten

ermordet.

Ausgerechnet dem Anschlag vom Wochenende hat Kumaratunga nun möglicherweise ihre Wiederwahl zu verdanken. Zuvor hatten politische Beobachter ihren wichtigsten Herausforderer Ranil Wickremesinghe als

ernsthaften Gegner gesehen. Das Schicksal der bei dem Attentat verletzten Kumaratunga und die Bilder der trotz Augenverband tapfer lächelnden Politikerin haben die öffentliche Meinung offenbar im

entscheidenden Moment umgekehrt. Zwar erhielt sie im Vergleich zu 1994 rund zehn Prozent Stimmen weniger, dennoch konnte sie erneut eine deutliche Mehrheit von 51,37 Prozent auf sich vereinigen.

Die politische Karriere war Kumaratunga gleichsam in die Wiege gelegt · sowohl ihr Vater, Salomon Bandaranaike, als auch ihre Mutter, Sirimawo Bandaranaike, waren Premierminister ihres Landes.

Kumaratunga studierte in Paris, bevor sie sich in ihrer Heimat in die Politik stürzte. Sie legte eine steile Karriere hin. Nach der Ernennung zur Chefministerin der Westprovinz 1993 stieg sie im

August 1994 zur Premierministerin auf, nur drei Monate später wurde sie mit 62,2 Prozent der Stimmen zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt von Sri Lanka gewählt.

In ihrer zweiten Amtszeit warten die gleichen Probleme auf die Präsidentin wie vor fünf Jahren: Ein Friedensplan zur Lösung des Tamilenproblems, den sie damals vorlegte, konnte trotz mehrerer Anläufe

nicht verwirklicht werden. Die Untergrundkämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hielten einen Waffenstillstand nur hundert Tage lang ein. Auch in der Wirtschaftspolitik ist es ihr bisher

nicht gelungen, ihre Versprechen · niedrige Brotpreise und billiges Benzin · in die Tat umzusetzen.afp