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Leichter lachen

Von Francesco Campagner

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Deutscher Humor ist selten so platt wie US-amerikanischer, nie so schwarz wie britischer und kaum so anarchistisch wie italienischer. Deswegen wird er meist genauso geschätzt wie deutscher Wein, nämlich fast gar nicht. Doch im Land des sich windelweich prügeln und die Nase brechen lassenden Jungentertainers Stefan Raab gibt es einen Altmeister, den man gerne genießt: Dieter Hallervorden. Dem auch hierzulande durch seine in den Siebzigern populäre Ulk-Serie "Nonstop Nonsens" bekannt gewordenen Kabarettisten war am Wochenende in Nord 3 ein Special gewidmet. Aus seiner bretonischen Wahlheimat berichtete Hallervorden von seinem Kabarett "Die Wühlmäuse", dem er seit den 60ern treu ist, und allgemein von seinem Werdegang beginnend mit der Abfuhr beim Reinhardt-Seminar.

Berühmt ist Hallervorden in seiner "Didi"-Klamaukrolle geworden, wirklich interessant allerdings mit seinen Polit-Satiren "Spott-Light". Da bot Hallervorden schärfsten politischen Witz, der weder vor Politikern (Kohl, Schröder) noch vor religiösen Würdenträgern (Kardinal Ratzinger) Halt machte. Und dies alles für einen öffentlich-rechtlichen Sender! Als geeichter Österreicher erblasst man da vor Neid. Wenn man an die biederen ORF-Kabarett-Versuche und den Erfolg der Seicht-Beamten-Comedy "MA 2412" denkt, beginnt man gar depressiv zu werden. Wer eine Hallervorden-Kostprobe zu sich nehmen will, kann dies übrigens heute machen: um 23 Uhr sendet Nord 3 "Hallervorden's Spott-Highlights". "Leicher lachen" ist schließlich auch gesund.