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Leichteres und Schwereres

Von Hermann Schlösser

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Manchmal hat man das Gefühl, dass einen das Radio um etwas betrügt. Vorgestern Abend zum Beispiel wurde ein "oberösterreichisches Stiftskonzert" übertragen. Der "Concentus Vocalis" sang A-cappella-Werke, und anstatt zufrieden zu lauschen, war ich zunächst einmal verstimmt, weil ich den Kaisersaal des Stifts Kremsmünster nicht sehen durfte, in dem das Konzert stattfand.

Natürlich war dieser Vorwurf ungerecht. Denn ohne Ö1 hätte ich gar nichts von dem Konzert gehabt. Und das wäre schade gewesen: Schlank und durchsichtig, wie es der neueren Aufführungspraxis entspricht, musizierte der Chor zum guten Beginn Bachs Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden".

Dass Bach nicht immer so leicht und luftig aufgefasst wurde wie heutzutage, bewiesen die beiden folgenden Werke: Die geistliche Musik, die Felix Mendelssohn Bartholdy während seiner Zeit als Berliner Generalmusikdirektor komponierte, eifert dem Thomaskantor-Vorbild teils innig, teils monumental, aber jedenfalls gravitätisch nach. Und die "geistlichen Gesänge" Max Regers befleißigen sich der tradierten polyphonen Künste in schwerem Ernst.

Neutönerisch, aber noch immer schwergewichtig erklang dann Arnold Schönbergs Chorwerk "Friede auf Erden". Beschwingter gab sich zum guten Schluss Frank Martins "Messe für Doppelchor". Hier gelang das Gotteslob zuweilen geradezu tänzerisch - eine Qualität, die den Werken der BachNachfolge durchaus fehlte.