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Leider nicht dilettantisch

Von David Axmann

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Die Maxime, dass ein intelligenter Mensch den Spezialisten zu misstrauen habe, ist gut und alt. Mechtilde Lichnowsky (von Karl Kraus hoch geschätzt) schrieb 1924 ein Buch über den "Kampf mit dem Fachmann" (der alles besser weiß), und wenige Jahre zuvor war Egon Friedell zu dem Schluss gekommen: "Die neuen Gedanken kommen fast immer nur von den Außenseitern. Der Fachmann, auch der geistig überlegenste, steht immer zu sehr in seinem Berufskreise, er ist daher fast nie in der Lage, eine wirkliche Revolution hervorzurufen . . . Die menschlichen Betätigungen haben nur so lange eine wirkliche Lebenskraft, als sie von Dilettanten ausgeübt werden."

Die Verantwortlichen für die Ö1-,,Diagonal"-Sendung zum Thema "Dilettantismus" kannten nun zwar die Wegweiser, hatten aber nicht den Mut ihnen zu folgen. Statt Friedell bloß zu zitieren, hätten sie ihn beim Wort nehmen und die Programmgestaltung echten Dilettanten übertragen sollen. Wer weiß, welch neue, lebenskräftige Gedanken entwickelt worden, welch überraschende Einsichten in das Thema zu gewinnen gewesen wären!

Doch leider bot man uns nur eine konventionelle, fade, von Wissenschaftsexperten und Radioprofis brav zusammengetragene Sammlung von Ansichten über des Wesen des Dilettantismus. Denn die Fachleute wissen ja fast immer alles besser.