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Leiter verzweifelt gesucht

Von Heike Hausensteiner

Europaarchiv

Nach wie vor offen ist, wer künftig die Vertretung der EU-Kommission in Österreich leiten wird. Seit dem Abgang Wolfgang Streitenbergers im November 2001 lenkt der bisherige Stellvertreter, Hatto Käfer, die Geschicke.


Fest steht, dass eine Frau die Vertretung der EU-Kommission in Österreich nicht übernehmen wird. Fünf Kandidaten für den Prestigeposten am Wiener Kärntner Ring waren ins Hearing gekommen: Michael Reiterer, Gerhard Frauerwieser, Karl Doutlik, Christian Weinberger sowie ein deutscher Kandidat. Letzterer dürfte nicht zum Zug kommen; für die Leitung der Kommissionsstelle in Österreich werden offiziell neben gutem Deutsch vor allem gute Kenntnisse des Landes erwartet. Und üblicherweise gibt die Kommission die Leitung ihrer Vertretung in den Mitgliedstaaten in die Hände Einheimischer.

Michael Reiterer war von Beginn an als Favorit gehandelt worden, die Agenden von Wolfgang Streitenberger - der nach dem Auslaufen seiner sechsjährigen Amtszeit in Wien nach Brüssel rotierte - zu übernehmen. Inzwischen hat es sich Reiterer, derzeit in der Generaldirektion für Außenbeziehungen (GD I) der Kommission tätig und zuvor für EU-Agenden in der Wirtschaftskammer Österreich zuständig, anders überlegt: Er hat seine Bewerbung zurück gezogen und übernimmt in Japan das Amt des stellvertretenden Delegationsleiters (während die Kommission in den Mitgliedstaaten jeweils eine "Vertretung" hat, gibt es in Nicht-Mitgliedsländern nur eine "Delegation"; Anm.).

Wer von den übrig gebliebenen drei Kandidaten das Rennen macht, soll in den nächsten Wochen - jedenfalls vor Beginn der Sommerpause mit 1. August - entschieden werden. Vorerst wird die Kommissionsvertretung in Wien von Hatto Käfer "hervorragend betreut", wie ihm Kommissionssprecher Jonathan Faull bereits bescheinigte.

Der gebürtige Salzburger werkte früher als Wirtschaftsakademiker in der internationalen Unternehmensberatung. Seit 1996, mit Beginn von Österreichs EU-Mitgliedschaft, ist er bei der Kommissionsvertretung in Wien. Weshalb er als bisheriger Stellvertreter keine Chance hat, den - hoch dotierten - Prestigejob als Leiter zu bekommen, liegt am EU-Beamtenschema, wie Käfer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erläutert.

EU-Beamtenhierarchie

Innerhalb der Generaldirektion Presse, der die Kommissionsvertretungen unterstellt sind, ist das Amt des Leiters als "A3"-Posten eingestuft; am höchsten ("A1") gerankt ist in dem Akademikerschema der Generaldirektor. Um sich für einen "A3"-Posten zu bewerben, muss ein EU-Beamter seinen Job im selben Grad oder zwei Jahre im Grad darunter ausgeübt haben. Käfer hat einen "A5"-Posten und kommt somit für den "A3"-Job nicht in Frage. Dennoch kann er sich auf die Fahnen heften, während seiner bisherigen interimistischen Leitung Themen propagiert zu haben, "die in der Öffentlichkeit weniger präsent sind", wie Konsumentenschutz oder das "digitale Europa". Überrascht und erfreut zeigt er sich, "dass der EU-Reformkonvent so breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird".

Der neue Leiter der Kommissionsvertretung in Wien soll seinen Dienst im September antreten.