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Lernen wird Mitarbeitern wichtiger

Von Martina Madner

Wirtschaft

Harmonie in der Familie ist weiterhin das wichtigste Lebensziel der Österreicher.


Wien. Von trendy kann zwar wahrlich noch keine Rede sein, die aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Imas International für die Weiterbildungsinstitute der Wirtschaftskammern, das Wifi Österreich, zeigt aber: Weiterbildung gewinnt an Bedeutung.

"Vieles zu wissen und neugierig zu bleiben", gehört heute zu den Lebenszielen von 31 Prozent der Bevölkerung im Alter von über 16 Jahren. Bei der Vergleichsumfrage vor drei Jahren waren es 27 Prozent. Ein Viertel nannte 2018 auch "Vieles zu lesen und zu lernen" als Lebensziel, 2015 waren es 16 Prozent. Und "Lebenslang zu lernen, sich beruflich weiterzubilden" gewinnt mit einer Steigerung um neun Prozentpunkte auf nun 22 Prozent ebenfalls an Bedeutung. Für Imas-Studienleiter Paul Eiselsberg ist es zudem erfreulich, "dass der Drang nach Wissen in allen Bildungsschichten zugenommen hat".

Initiative gehtvon Mitarbeitern aus

Wobei Eiselsberg einräumt, dass Menschen mit ohnehin schon höherer Bildung nach wie vor nach noch mehr davon streben. Für 64 Prozent der Österreicher, aber Frauen insbesondere, hat ein harmonisches Familienleben außerdem einen deutlich höheren Stellenwert im Leben als Bildung. Auch ein möglichst freies Leben ohne Zwang zu führen und ein sicherer Arbeitsplatz scheint 51 bzw. 50 Prozent der Befragten erstrebenswerter. Außerdem zeigen zwei weitere Fragen der Imas-Umfrage, dass von den 56 Prozent, die lebenslanges Lernen für sehr wichtig erachten, nur 31 Prozent es auch tatsächlich tun.

Sofern die Beschäftigten aber tatsächlich eine Weiterbildung gemacht haben, ging die Initiative in 48 Prozent der Fälle von den Beschäftigten aus, in 46 Prozent von den Unternehmen. Das war 2015 noch nicht so: Da zeigten die Befragten mit 37 Prozent deutlich weniger Eigeninitiative, die Weiterbildung wurde zu 57 Prozent von den Unternehmen initiiert. Jeweils sechs Prozent machten übrigens keine Angabe.

Nach wie vor ungelösteFinanzierungsfragen

Wer aber bezahlt Weiterbildung? Bei Kursen am Wifi Österreich übernehmen sie laut Institutsleiter Michael Landertshammer zu jeweils 40 Prozent die Arbeitgeber oder die Arbeitnehmer; in zwanzig Prozent der Kursteilnahmen würden sie geteilt. Wobei der Anteil jener, die für ihre Weiterbildung selbst bezahlt, steigt.

Wifi Österreich-Kurator Markus Raml wünscht sich ein Bildungskonto für diese, bei dem der Staat ähnlich einem Bausparvertrag eine 30-prozentige Prämie zu den Bildungskosten zuzahlt. Das sei im Regierungsprogramm aber nicht vorgesehen.

Dabei geben Beschäftigte in Österreich ohnehin bereits vergleichsweise viel für Weiterbildung aus: Eine nicht ganz taufrische, aber dennoch umfassende und die aktuellste Analyse des IHS-Bildungsökonomen Stefan Vogtenhuber von 2012 zeigt, dass damals in Österreich mit indirekten Kosten wie etwa durch Weiterbildung in der Arbeitszeit 3,4 Milliarden Euro ausgegeben wurden; 40 Prozent davon übernahmen die Betriebe, 28 Prozent das AMS, fünf Prozent der Staat - 27 Prozent die privaten Haushalte. Letzere gaben außerdem rund drei Mal so viel pro Person für Erwachsenenbildung aus wie jene in Finnland oder Schweden.