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Lesen übers Fernsehen

Von Stefanie Holzer

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Diese TV-Kritik muss aus gegebenem Anlass mit einer Lektüreempfehlung beginnen: Jens Jessen stellt im Aufmacher der Hamburger "Zeit" vom letzten Donnerstag wohltuend fest, dass es keinen Grund gibt für die Programmgestalter der öffentlich-rechtlichen Sender, den Privaten auf der Blöder-als-Blöd-Überholspur Konkurrenz zu machen. Denn erstens sind die Zuschauer nicht blöd. Zweitens ist eine Sendung nicht notwendig zu wenig blöd, nur weil sie keine Seher findet. Es könnte sehr gut das Gegenteil der Fall sein. Und drittens: Wie legitimiert man die Fernsehgebühren, wenn das Programm "privat" ist?

Am Sonntagabend teilt sich die Welt in Rosamund-Pilcher-Rosa und in Tatort-Blutrot. Ich konnte Rosa noch nie leiden, also büchse ich vor diesen Filmen, deren alleiniger Existenzzweck eine Art privater Pensionsvorsorge für Schauspieler zu sein scheint, zur ARD aus. Nach einem spannenden Drehbuch von Harald Göckeritz machte Vivian Naefe einen "Tatort" mit dem Titel "Kleine Diebe": Rumänische Kinder kommen nach Deutschland, färben sich die Haare vertrauensbildend blond und verdingen sich in Dickens-Manier als Taschendiebe. Bei Dickens war das Ende allerdings froher als im München der Kommissare Leitmayr und Batic. - Kurzweilig war das "Sommergespräch" zwischen Gisela Hopfmüller und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Beide Damen waren souverän, unnachgiebig, geistesgegenwärtig und schlagfertig: ein schöner Anblick im ansonst männerdominierten ORF-Diskussionsgeschehen.