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Leseratten und Computer-Kids

Von Stefan Melichar

Politik

VS Spallerhof ist Schule des Monats. | "Die Kinder sollen sich selbst kennen lernen."


Linz. Die Volksschule (VS) Spallerhof in Linz setzt auf einen Mix aus alten und neuen Kulturtechniken. Einerseits steht Lesen ganz oben auf der Agenda, andererseits lernen die Kinder schon im Grundschulalter, wie man professionell mit Computer und Internet umgeht. Die Fachjury der "Wiener Zeitung" würdigt die pädagogische Vielfalt mit der Wahl zur Schule des Monats Mai.

"Die Kinder kommen heutzutage mit anderen Voraussetzungen in die Schule als früher", meint Erich Federsel, seit 19 Jahren Direktor der Spallerhofschule. Einerseits könnten sie oft schon mit hoch technischen Geräten umgehen, andererseits würden sich mitunter körperliche und soziale Defizite zeigen. Hier setzt man von verschiedenen Seiten den pädagogischen Hebel an, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten gerecht zu werden.

"Heutzutage ist der Umgang mit dem Computer etwas ganz Normales", erklärt die Lehrerin Doris Mooslechner. Man müsse den Kindern aber zeigen, dass ein Computer nicht nur ein Spiel-, sondern auch ein Arbeitsgerät ist. Das ist ganz im Sinne von Michaela Kritzinger, der Obfrau des Elternvereins: Es sei wichtig, dass den Schülern neben Fähigkeiten auch Regeln im Umgang mit dem Computer beigebracht würden.

Grundvoraussetzung für jede Arbeit am PC ist jedoch, dass die Schüler Sinn erfassend lesen können. Die Spallerhofschule versteht es, mit Hilfe einer hervorragend sortierten Schulbibliothek die Kinder für Bücher zu begeistern. Dabei hätten, so Bibliothekarin Brigitte Wutscher, diverse Sachbücher Harry Potter mittlerweile von Platz eins verdrängt. Neben dem "Oberhit" Dinosaurier stünden derzeit Kochbücher mit kindgerechten Rezepten hoch im Kurs. "Und unsere Witze-Bücher sind momentan ebenfalls alle ausgeborgt", erzählt Wutscher.

Doch auch die körperliche Aktivität soll nicht zu kurz kommen. Viele Kinder hätten, so Federsel, Haltungsschäden oder Probleme mit der Motorik. Um therapeutisch entgegenhalten zu können, habe sich die Spallerhofschule eine eigene Kletterwand geleistet.

Von dieser sind die Kinder begeistert: "Manchmal sind auf der Wand Süßigkeiten versteckt, und wir müssen sie suchen", erzählt die kleine Lena mit leuchtenden Augen. Die Kinder dürfen zu zweit klettern. Eine eigens ausgebildete Lehrerin passt dabei auf, dass niemand herunterfällt.

Hausordnung für Eltern

Klare Regeln für ein stimmiges Miteinander sind an der VS Spallerhof selbstverständlich. Es gibt nicht nur eine Hausordnung für die Schüler, sondern auch für Lehrer und Eltern. Für Kritzinger ist das "selbstverständlich". Dadurch könnten die Kinder die eigenen Pflichten eher akzeptieren.

Dabei geht es an der Volksschule aber nicht immer nur streng zu: "Wir haben schon vor Jahren die Pausenglocke abgeschafft", erklärt Direktor Federsel. "Wenn es gerade besonders spannend ist, arbeiten wir weiter, wenn die Schüler intensiv gelernt haben, gönnen wir ihnen ein paar Minuten mehr, um die Seele baumeln zu lassen." Kinder sollten sich, so Federsel, in den vier Jahren Volksschule selbst kennen lernen und herausfinden, was sie interessiert und was nicht.

Die Schule

An der VS Spallerhof in Linz unterrichten 17 Lehrer 165 Kinder in neun Klassen. Direktor Erich Federsel setzt im Umgang mit den Schülern auf Humor und gegenseitiges Vertrauen. Als Service für berufstätige Eltern bietet die Schule ab 6.30 Uhr eine kostenlose Morgenbetreuung an.