Zum Hauptinhalt springen

Letzte bei uns sichtbare Sonnenfinsternis bis zum Jahr 2021

Von Hermann Mucke

Wissen

Sonnenchronik: Die Dauer der lichten Tage steigt rasch - vom 1. mit 11 Stunden 1 bis 31. mit 12 Stunden 47 Minuten. Ab Sonnenuntergang dauert die Bürgerliche Dämmerung bis 6 Grad Sonnentiefe 31 Minuten; dann erscheinen die ersten hellen Sterne hoch am Himmel. Die Nautische Dämmerung dauert 1 Stunde 8 Minuten bis 12 Grad Sonnentiefe, dann ist es fast ganz Nacht geworden.

Weil die den Erdumlauf widerspiegelnde Jahresbahn der Sonne schräg zu ihren Tagesbahnen vom Auf- bis zum Untergang liegt, steigt die Sonne von ihrer kürzesten Tagesbahn bei Winterbeginn bis zur höchsten bei Sommerbeginn und kreuzt die mittlere Tagesbahn bei Frühlingsbeginn. Bis dahin waren ihre Tagesbahnen kürzer als ihre Nachtbahnen. Wenn sie die mittlere Tagesbahn - den Himmelsäquator - am 20. um 23.45 Uhr kreuzt, hat die Sonne 0° im Tierkreis und den Anfang des Tierkreiszwölftels Widder erreicht: Wir sprechen von "Tagundnachtgleiche", dem Frühlingsbeginn.

Im Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg auf der Himmelsmittenscheibe stehend, könnten wir uns die 12 Stunden 9 Minuten lange mittlere Tagundnachtgleichen-Tagesbahn von der Sonnensäule im Osten über die mittlere Mittagsmarke am Südmast bis zur Sonnensäule im Westen vorstellen. Die Kerben in ihren Querarmen zeigen den wegen der Strahlenbrechung verschobenen Ort des wirklichen Erscheinens bzw. Verschwindens des Sonnenoberrandes. Dass die Tagundnachtgleichen-Tagesbahn um 9 Minuten länger ist als 12 Stunden, hat seinen Grund darin, dass für die Astronomen die Sonne auf- und untergeht, wenn der Oberrand der Sonnenscheibe im mathematischen Horizont steht. Dabei ist auch die Strahlenbrechung in der Lufthülle der Erde einbezogen.

Die helle Mitte des Schattens, den die Lochscheibe am Nordmast auf den Nordweg wirft, zieht mittags über die Querspange am Fuß des Schrägmastes mit dem Widdersymbol und der Aufschrift MÄR 20. Heuer feiern wir die Tagundnachtgleiche am 20. schon um 12.02 Uhr im Freiluftplanetarium mit einem "Tagundnachtgleichen-Mittag", wenn die helle Schattenmitte der Lochscheibe die Mittelschiene des Nordweges während der zu Ende gehenden Sonnenfinsternis kreuzt.

Sonnenfinsternis: Sie beginnt am Freitag, dem 20. für Wien hoch im Südosten am rechten Sonnenrand um 9.37 Uhr mit dem Eintritt des Mondes in die Sonnenscheibe, erreicht um 10.46 Uhr als fast waagrecht liegende schmale Sichel mit 70 Prozent abgedecktem Sonnendurchmesser ihr Maximum und endet um 11.57 Uhr mit dem Austritt des Mondes aus der Sonnenscheibe am linken oberen Sonnenrand. Die Totalitäszone beginnt im Nordatlantik knapp südlich von Grönland, zieht weiter zwischen Island und Skandinavien und endet nahe beim Nordpol.

Am 2. und 3. steht der Mond nahe Jupiter. Am 5. durchläuft er seine Erdferne im Sextanten und es tritt der Vollmond im Löwen ein. Unweit Saturn finden wir den Mond am 12. und tags darauf erreicht er im Schlangenträger sein Letztes Viertel. In niedrigster Himmelsbahn zieht er im Schützen vom Auf- bis zum Untergang und am 15. sorgt die perspektivische Schwankung der Mondkugel, die Libration, für einen randfernen Mondsüdpol. Die zarte Altlichtsichel zeigt sich tief in der Morgendämmerung des 18. im Ostsüdosten und seine Erdnähe durchläuft der Mond in den Fischen am 19. Der Neumond am 20. bringt uns die oben beschriebene Sonnenfinsternis. Die feine Neulichtsichel erscheint am 21. neben Mars tief in der Abenddämmerung nahe Westen. Tags darauf steht der Mond bei der Venus. Die Libration lässt uns am 26. das kleine Mare Crisium so weit als möglich neben dem rechten oberen Rand des Mondes sehen, der in höchster Bahn vom Auf- bis zum Untergang über den Himmel zieht. Am 27. tritt das Erste Viertel in den Zwillingen ein und am nächsten Tag lässt uns die Libration den Mondnordpol randfern sehen. Unweit Jupiter steht der Mond nochmals im März am 29. und 30.

Planetenlauf: Merkur bleibt im Strahlenkranz der Sonne verborgen. Venus strahlt abends und später hoch im Westen und zieht vom Steinbock durch den Wassermann in die Fische. Mars finden wir abends nahe Venus und später abends tief im Westen. Er wandert durch Fische, Walfisch, Fische bis in den Widder. Jupiter leuchtet abends hoch zwischen Ostsüdosten und Südsüdosten aus dem Krebs. Saturn steht um 2 Uhr tief im Südosten und später höher im Südsüdosten im Skorpion.

Sternbilderhimmel: Unsere Karte gilt für den 1. um 21.16 Uhr und den 26. um 19.37 Uhr. Die Markierungen mit V und J bezeichnen Venus und Jupiter und der strichlierte Kreisbogen deutet den Zug der Milchstraße an. Wir halten sie so, dass die betrachtete Himmelsgegend unten liegt. Der Sternbilderhimmel des Spätwinters wird noch vom Großen Sechseck um Orion hoch im Südwesten beherrscht, doch kündigt sich um den Osten schon der Frühlingshimmel mit Bootes und Jungfrau an.

Freiluftplanetarium: 23., bei der Wotruba-Kirche: Sa., 14., 18.45 Uhr Sternabend mit Venus, Mars und Jupiter. (Norbert Pachner). Taschenlampe und Fernglas wichtig! Fr., 20., 9 Uhr Sonderführung Sonnenfinsternis mit Erläuterung und Beobachtung. Finsternis-Brille (oder als Ersatz doppelte Rettungsdecke in Papprahmen ca.
10 x 17 cm) nicht vergessen! Objektive von Ferngläsern mit doppelter Rettungsdecke mit mehreren Gummiringen um die Objektive abdecken. Auf warme Kleidung achten, Sitzkissen und Decke mitnehmen (ca. 150 bequeme Sitzplätze). Bei Schlechtwetter in der Wotruba-Kirche.

www.astronomisches-buero-wien.or.at