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Letzte Hausaufgabe 2020: Reflektieren

Von Sabine M. Fischer

Gastkommentare
Sabine M. Fischer, Inhaberin von Symfony Consulting, ist Wirtschaftspädagogin und Unternehmensberaterin in Wien. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises Industrie 4.0/IoT und Aufsichtsratsvorsitzende des Verbandes Österreichischer Wirtschaftsakademiker.
© privat

Die Corona-Krise sollte als Lehrzeit für Entscheidungsträger auch in der Politik wirken.


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Fortgeschrittenen Schülern und Studenten gibt man am Ende von Themenblöcken gerne Reflexionsfragen. Durch deren Bearbeitung erhofft man Lerninhalte zu verfestigen, den Wissensstand zu vertiefen und den Praxisbezug zu fördern. Angesichts der Corona-Ausgangsbeschränkungen während der Feiertage finden vielleicht auch politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen Zeit und Ruhe, um aus den Erfahrungen von 2020 für ihr zukünftiges Krisenmanagement zu lernen. Zur Anregung hier ein paar Aufgabenstellungen:

Angenommen, Sie entscheiden sich für mehr Kommunikation auf Augenhöhe - woran könnten Ihre Gesprächspartner und Zuseher das merken?

Beschreiben Sie mögliche Prozesse, die dazu führen können, dass Nationalratsabgeordnete häufiger auf Corona getestet werden als Pflegekräfte der vulnerablen Gruppe der über 60-Jährigen in Altenheimen.

Stellen Sie die möglichen Überlegungen eines Vorstandsvorsitzenden eines global tätigen Konzerns, etwa Henkel mit 55.000 Mitarbeitern, seit Jahren einen Pandemieplan zu führen, den möglichen Beweggründen einer Regierung eines Landes mit acht Millionen Einwohnern, etwa Österreich, zur Abschaffung eines Pandemieplanes gegenüber. Nutzen Sie dabei die vier Stufen professionellen Risikomanagements: Identifikation, Bewertung, Steuerung und Kontrolle.

Das Pendeln zwischen Präsenzunterricht und Distance Learning erfordert im Bildungsbereich viele zusätzliche Ressourcen an IT/TK-Hardware, -Software und Anwendungswissen. Das meiste wurde 2020 dem Improvisationsgeschick und der privaten Ausstattung von Lehrenden und Familien überlassen. Entwerfen Sie stichwortartig ein Konzept, wie Sie die 2020 gemachten Erfahrungen 2021 für eine wesentliche Verbesserung des Lehr- und Lern-Outputs an österreichischen Bildungseinrichtungen nutzen wollen. Erstellen Sie dafür eine Übersichtsmatrix mit den Faktoren Familien, Lehrkräfte, Bildungsstandorte einerseits sowie Zeit, Raum, Technik und Know-how andererseits.

Seit Jahren wird die Innovationsbereitschaft von Unternehmen beschworen und staatlich gefördert. Aufgrund von Ausgangsbeschränkungen mussten viele neue Geschäftsideen und -modelle entwickeln. Erläutern Sie, welche strukturellen Möglichkeiten der Staat 2021 schaffen kann, damit Hilfsgelder in unternehmerische Aktivitäten und Entwicklung fließen und nicht in das Unterlassen dieser.

Welche Vorgangsweise werden Sie in Zukunft für Ihre Entscheidungen wählen:

a. Ich frage meine engsten Berater und entscheide dann alleine.

b. Ich höre von meinem engsten Beraterkreis ausgewählte Expertenmeinungen und entscheide dann alleine.

c. Ich höre gemeinsam mit Kollegen Meinungen von Experten und Praktikern und hinterfrage auch die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Umsetzung der verschiedenen Alternativen. Nach intensiver, sachorientierter Diskussion wählen wir im Team jene mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis des gesamten Prozesses - inklusive Umsetzung.

Begründen Sie Ihre Entscheidung.