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"Lex Hofer" an Tankstellen?

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Reine Automaten- Tankstellen haben es künftig leichter. | Wien. "Der Hofer wars" - und die Diskussion über die Preispolitik an den Tankstellen ist brisanter denn je. Seit Anfang der Woche gibt es drei Automatentankstellen bei Hofer-Märkten in Salzburg, die von der Friesacher-Gruppe betrieben werden. Seit 1. Juli gilt, dass die Preise am Tag nur einmal angehoben werden können, nämlich bei Betriebsbeginn.


Diese Regel gilt jedoch nicht für Automatentankstellen wie jene bei den Hofer-Märkten. Überraschend wurde in die Verordnung des Wirtschaftsministeriums der Passus eingefügt, dass Automatentankstellen erst um 8.30 Uhr ihren ersten Preis festlegen müssen, selbst wenn sie rund um die Uhr offen haben. Im Entwurf stand davon nichts.

Tankstellen mit Personal, die 24 Stunden offen haben, müssen jedoch um Mitternacht den Preis festlegen. In der Branche wird dies als "Lex Hofer" bezeichnet, zumal ein Sohn von Landeshauptmann Erwin Pröll Miteigentümer der Friesacher-Gruppe sei. Im Ministerium wird die Ausnahme damit begründet, dass in der Nacht das nötige Personal nicht zur Verfügung stünde.

Defizitäre Tankstellen

Die kurzzeitige Halbierung der Treibstoffpreise bei den Hofer-Tankstellen hatte bei vielen die Vermutung geschürt, die Betreiber säßen auf einem großen Gewinnpolster. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Am Donnerstag präsentierten die Vertreter der Tankstellenfirmen eine Untersuchung, die zeigt, wie schlecht es um die Branche bestellt ist. Pro Liter werden rund 2 Cent verdient, wobei der Betreiber keine "Preishoheit" hat - die liegt bei den großen Mineralölkonzernen. Jemandem, der mehr verkauft, wird die Verdienstspanne beschnitten. An Tankstellen helfen oft Familienmitglieder mit - laut Untersuchung arbeitet jeder Fünfte schwarz.

Im letzten Jahr wurde um 31 Prozent weniger Treibstoff verkauft, beim Umsatz gab es ein Minus von 10 Prozent. Mehr als 70 Prozent der Tankstellenbetreiber haben bereits ein negatives Eigenkapital, trotzdem geben pro Jahr nur rund 70 der 2800 Betreiber auf. Jeder Fünfte fühlt sich von seinem Konzern-Lieferanten geknebelt. Seit Jahren versuchen die Interessenvertreter mit den Mineralölkonzernen einen Wohlverhaltenskatalog auszuarbeiten - ohne Erfolg. Gespräche auf Fachverbandsebene gibt es nicht, dies sei Sache der einzelnen Firmen. Laut Studie fahren 40 Prozent der heimischen Autofahrer immer zu "ihrer" Tankstelle, egal wie hoch der Preis ist.