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Licht, Luft und Lohn für Knüpfer

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Pakistan: Viele verdienen nicht einmal Mindestlohn. | Iran: Nomaden große Produzenten. | Wien. "Sicher, als Geschäftsführer will man Profit machen. Alles andere wäre eine Lüge." Dennoch geht es für Ali Rahimi nicht darum, Gewinn um jeden Preis zu machen. Der Chef des Teppichhauses Rahimi & Rahimi ist einer der Lizenznehmer des "Step"-Labels für fairen Teppichhandel. Kernpunkte dieser Initiative sind Löhne, die ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen, und langfristige Lieferverträge - für viele Knüpfer ist das keine Selbstverständlichkeit.


Vor kurzem erhöhte die Regierung in Pakistan den gesetzlichen Mindestlohn auf 4000 Rupien (etwa 54 Euro) pro Monat. "Das verdienen viele Knüpfer aber nicht", berichtet Tanveer Jahan, Step-Koordinatorin in Pakistan, die derzeit in Wien zu Gast ist. "Fairer Handel bedeutet für uns deshalb sehr viel."

Jahan kontrolliert Produktionspartner von Step. Geknüpft wird in Fabriken und zuhause: Männer arbeiten in Betrieben, Frauen daheim. Einfacher ist es laut Jahan, die Arbeitsbedingungen in den Manufakturen zu überprüfen: Gibt es genug Licht? Gibt es frische Luft? Stimmt die Bezahlung? Sind die Arbeitszeiten geregelt? Diese Vorteile sollten nicht den Männern vorbehalten sein, meint Jahan. "Auch Frauen sollen ihre Häuser verlassen dürfen", sagt Jahan. Ein Teil ihrer Arbeit ist deshalb, das Selbstbewusstsein der Frauen zu fördern: Frauen treffen einander in Workshops, wo sie auf ihre Rechte aufmerksam gemacht werden und wo sie sich über ihre Erfahrungen, Sorgen und Möglichkeiten austauschen können.

Teppiche lesen

In Pakistan sind die meisten der etwa 300.000 Knüpfstühle in privaten Häusern aufgestellt. Auch im Iran gibt es wenige große Produktionseinheiten: Die Mehrheit der österreichischen Step-Importe aus dem Iran sind Gabbeh-Teppiche aus Halbnomaden- und Nomadenproduktion.

"Wenn man einen Teppich liest, liest man eine Kultur", sagt Parviz Homayounpour, Step-Kontrolleur im Iran. "Ein Teppich erzählt von einer bestimmten Gruppe Menschen. Der Teppich weist darauf hin, dass es diese Gruppe gibt, dass es Vielfalt gibt."

Der Großteil der Produktion ist also über das Land zerstreut, Homayounpour besucht die Familien und spricht mit ihnen über ihr Leben. "Für diese Menschen sind die Arbeitsbedingungen die Lebensbedingungen", sagt er. Und diese würden immer mehr verschlechtert, berichtet der Kontrolleur. Moderne Produktionsmethoden und Domestizierungsversuche der Politik zwängen Nomaden, ihre Wanderschaft - und damit ihre traditionelle Lebensform - aufzugeben.

Wie für Jahan in Pakistan ist es auch für Homayounpour einfacher, die wenigen großen Produzenten zu kontrollieren. "Ich spreche mit den Knüpfern, sehe ihre Arbeitsbedingungen, sehe, ob das Wasser klar ist - der Schmutz vom Färben sollte nicht einfach in den Fluss geleitet werden."

Auch Teppichhändler Rahimi besucht regelmäßig seine Geschäftspartner und Knüpfer in Asien und Nordafrika. Er fühle sich wohler, wenn er wisse, dass die Arbeitsbedingungen stimmen würden, erklärt Rahimi. "In Persien sagt man: Im Leben kommt alles zurück."

Stichwort: Faire Teppiche

Fair gehandelte Teppiche gibt es österreichweit in 43 Geschäften zu kaufen, darunter bei Leiner, Rohani und Rahimi & Rahimi. Sämtliche Teppiche dieser Händler sind gemäß "Step"-Kriterien produziert. Die Non-Profit-Organisation Step führt unabhängige Kontrollen in Indien, Nepal, Pakistan, Iran, Marokko, Armenien und in der Türkei durch. So ist laut Step eine menschenwürdige Produktion gewährleistet.

www.label-step.org