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Licht und Schatten in der Kunstkammer

Von Eva Stanzl

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Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, Geschäftsführer Paul Frey und der wissenschaftliche Leiter der Kunstkammer, Franz Kirchweger, hatten einander Reden offenbar nicht vorab gelesen. Sie alle dankten den gleichen Leuten, was durchaus Längen hatte. Wer die Publikumseröffnung der Kunstkammer Wien am Freitagabend dennoch durchhielt, wurde mit der Faszination eines atemberaubenden Kunstschatzes von unfassbarem Reichtum belohnt. Elfenbeinerne Schmuckkassetten. Schalen aus transluzenten Edelsteinen. Bergkristall-Elefanten mit Salzfässchen. Ein Himmelsglobus nach dem heliozentrischen Weltbild. Ein vergoldetes, bewegliches Segelschiff komplett mit Mannschaft, die die Fanfaren spielen kann. Der wunderbare Schatz thematisch logisch und höchst feinfühlig zusammengestellt. Ein Abend der Freude - bis auf einen Punkt.

Die Ausstellungsgestaltung sollte das Schatzarchiv optimal zur Geltung kommen lassen, die dunklen Vitrinen des Büros hg merz sollten zurückhaltend-vornehm wirken und dabei die Exponate punktgenau beleuchten. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, und jener des Abends verbreitete sich satt und unversöhnlich über der Beschriftung der Exponate. Wer mehr wissen wollte über das Faszinosum, vor dem er stand, musste in die Knie gehen, um eine 18-Punkt-Schrift in der Höhe eines Kinderkopfes unter die Lupe zu nehmen. "Für 18,7 Millionen Euro wär’ doch a g’scheite Schrift dringewesen", argwöhnte ein Besucher. "Die Leute wollen nichts mehr lesen", entgegnete eine auferstehende Dame. Bleibt der Audioguide des Museums. Für die, die gut hören.