Zum Hauptinhalt springen

Liebe Hörgewohnheiten

Von Manfred A. Schmid

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Langsam heißt es nun Abschied nehmen von Sendungen und Sendeplätzen, die uns im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Bei dem ab 1. Jänner greifenden neuen Programmschema von Ö1 beruft man sich auf Marktforschungen und Publikumsbefragungen, die die Abschaffung mancher Sendungen oder ihre Verlegung auf andere Beginnzeiten nahe gelegt hätten. Manches will mir dabei nicht einleuchten, aber natürlich maße ich mir nicht an, dass meine Vorlieben mit jenen des statistisch erhobenen Durchschnittshörers übereinstimmen.

Eine Sendung, die ersatzlos gestrichen wird, ist "Der Ö1 Essay" freitags um 9.45 Uhr. An seine Stelle rückt das Wirtschaftsmagazin "Saldo". Ob eine vertiefende Wirtschaftsberichterstattung am Freitagvormittag gut platziert ist, wird sich weisen. Ich werde den Ö1-Essay jedenfalls vermissen, auch wenn die darin präsentierten Inhalte nicht immer den hohen Standard erreichten, der mit diesem hohen Anspruch einherging. Besonders problematisch war zudem oft die Art des Vortrages. Die Idee, den Verfasser jeweils selbst zu Wort kommen zu lassen, war zwar gut, doch eben nicht alle waren dieser Herausforderung gewachsen. So auch letzten Freitag, als ein Horst Petri sich mit einem Beitrag zur "Werte-Debatte" zu Wort meldete. Der monotone Vortrag ließ mich bald die Konzentration verlieren und geistig ausklinken. Wenn aber Menschen vom Schlage eines Eugen Drewermann ihre zu Papier gebrachten Gedanken ins Mikrofon sprachen, dann überzeugte die Einheit zwischen Verfasser und Vortragenden so sehr, dass ich um nichts in der Welt lieber einem noch so perfekten Sprecher gelauscht hätte.