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Liebe Hörgewohnheiten (2)

Von Manfred A. Schmid

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Alles bleibt besser, lautete die Devise für die Programm-Reform im ORF-Fernsehen und die "Programm-Anpassungen" auf Österreich 1. Einiges aber hätte man besser bleiben lassen. Die sonntägliche Sendung "Unter Donner und Blitz" um 13.35 Uhr etwa, die viele Ö1-Hörerinnen und -Hörer ab Jänner vermissen werden. Gerade die ORF-Verantwortlichen, die so gerne von der "Verösterreicherung" des Programms reden und den öffentlich-rechtlichen Auftrag auch als Beitrag zur Erhaltung und Stärkung und als Spiegel der österreichischen Identität interpretieren, sollten eine Absetzung dieses Formats nicht befürworten. Was da in der Regel geboten wird - "altösterreichische Musik" im besten Sinn des Wortes, nämlich Walzer, Märsche, Ländler und Polkas von der Strauß-Dynastie bis zu den in die Gegenwart reichenden diversen Nachklängen und Ausläufern - , ist ein wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes und musikalischen Selbstverständnisses. Gerade auch deshalb, weil diese Sendung stets auch die Wurzeln dieser Tradition, die oft in den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie - in Ungarn, Tschechien, Slowakei - liegen, mit berücksichtigt hat. Ein Paradebeispiel etwa die gestrige Sendung, die mit kostbaren Raritäten "altböhmischer Musik" aufwartete und damit wohl auch Kenner überraschen konnte.

Da in der Regel zudem hervorragende Ensembles für die Wiedergabe verantwortlich zeichnen - neben Großmeistern wie Karajan und Böhm mit "unseren" Philharmonikern auch Spezialisten wie Max Schönherr, Willy Boskovsky oder Robert Stolz am Pult z. B. des legendären Großen Wiener Rundfunkorchesters - war "Unter Donner und Blitz" stets auch so etwas wie ein allwöchentliches kleines "Neujahrskonzert", das für viele den Sonntag erst zu einem Sonntag machte. Und dafür soll nun kein Platz mehr sein?