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Lieber am Chefsessel als beim Kind

Von Ina Weber

Politik

Studie des Sozialministeriums "aus Sicht der Männer". | Kritik an Haubner von SPÖ, Grünen, ÖGB und AK. | Wien. Dass die Karriere zu Lasten des Familienlebens geht, ist nach wie vor ein gängiges Bild in den Köpfen der Männer. Das zeigt einmal mehr eine Studie, die das Sozialministerium 2005 in Auftrag gegeben hat und am Mittwoch präsentierte.


65 Männer in 21 Unternehmen unterschiedlicher Größe, aber in ganz Österreich, wurden von der PR-Firma Symphony Consulting zum Gespräch gebeten. Was sagen denn eigentlich Männer über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Die Befragten sehen sich nach wie vor als die Existenzerhalter einer Familie und verlangen auch Anerkennung dafür, so Studienautorin Sabine Fischer. "Entweder man macht Karriere oder man bleibt zuhause. So einfach ist das", antwortete etwa ein Unternehmensleiter. "Ich würde mir wünschen, dass meine Frau so viel verdienen kann wie ich bei Vollzeit und dann gehe ich in Karenz", so ein Mitarbeiter in einem Großunternehmen.

Karenzmonat für Väter

Die Männer waren zu 90,8 Prozent Väter, ihre Partnerinnen zur Hälfte in Teilzeitjobs (49 Prozent) beziehungsweise zu einem Drittel (32 Prozent) nicht berufstätig. Wenig überraschend: Je höher die Position des Mannes, desto mehr liegt die Kinderbetreuung in den Händen der Partnerinnen - bei Unternehmensleitern zu 100 Prozent. Was bringt eine Studie, die bestätigt, was ohnehin schon jeder weiß? "Männer sind nicht nur als Väter sondern auch als Führungskräfte betroffen", erläuterte Fischer. Diese seien sehr wohl an familienpolitischen Maßnahmen im Unternehmen interessiert. Immerhin gaben 63 Prozent der Männer an, dass sich die Vaterschaft positiv auf den Arbeitsplatz auswirkt - was Verlässlichkeit, Integration in der Gruppe und Engagement betrifft.

Im Großen und Ganzen war aber mit einer Ausnahme keiner der Befragten in Karenz oder würde diese in Erwägung ziehen. Das sei auch nicht der Ansatz der Studie gewesen, so Fischer. "Wir wollten den Ist-Zustand feststellen".

Dieser ist - angesichts des traditionellen Rollenbildes der Befragten - auch für Sozialministerin Ursula Haubner überraschend. Für Betriebe müssten steuerliche Anreize geschaffen werden. Die Elternteilzeit und das Kinderbetreuungsgeld würden gerade evaluiert. Auch über ein nicht verpflichtendes Karenzmonat nach der Geburt für Väter könne man sprechen.

SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl bewertete die Studie als "No-Na-Fragen". Die Regierung habe damit einmal mehr "ausschließlich Luftblasen produziert". Kuntzl verwies auf österreichweit 14.600 fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen. Viele Worte verloren, aber keine Taten angekündigt habe Haubner, ärgerte sich ÖGB-Vorsitzende Renate Csörgits. Solange Väter im Beruf schwerwiegende Konsequenzen zu erwarten haben, wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer ein leeres Schlagwort bleiben, kommentierte AK-Präsident Herbert Tumpl die Studie.

Politische Anreize sollten geschaffen werden, forderte einmal mehr Grünen-Familiensprecherin Sabine Mandak. Ein Vatermonat mit vollem Lohnausgleich wäre ein Anfang.