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Lieber das Spiel als den Pokal sehen

Von Christian Mayr

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Sollten Sie dieser Tage in Wien von einem Bus überholt werden, auf dem ein großer silberner Pokal thront, bleiben Sie bitte ganz ruhig. Sie haben nichts verpasst, Österreich hat tatsächlich keinen Titel gewonnen, der ein Rumkutschieren der Siegertrophäe in der Bundeshauptstadt rechtfertigen würde. Es handelt sich dabei nur um den Champions-League-Pokal (oder eines seiner Duplikate), der in den kommenden Tagen auf seiner Tour durch Europa auch in Wien Station macht. Der 7,5 Kilogramm schwere und knapp 75 Zentimeter hohe Silberschmuck ist unter anderem am Dienstag am Westbahnhof und am Mittwoch in der Vösendorfer SCS zu sehen, ehe er - nach einigen Runden auf der (hoffentlich nicht gesperrten) Ringstraße - von Donnerstag bis Samstag sein Zeltquartier am Hof bezieht. Dort haben Fans dann auch die Gelegenheit, Autogramme von diversen Champions-League-Legenden zu ergattern. Nein, leider, Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Arjen Robben, ja nicht einmal ein David Alaba werden sich Zeit für ihre Anhänger nehmen, dafür springen die gewesenen Stars Mark van Bommel und Michael Konsel sowie Austrias Champions-League-Helden aus dem Vorjahr (letzter Gruppenplatz) gerne ein. Ganz ironiefrei soll diese Werbetour der Uefa mit freundlicher Unterstützung einer Großbank die Fans noch mehr an das sehr junge Produkt der Champions League (seit 1992) binden, der heuer Königsklassen-lose heimische Fußball hat aber ganz andere Sorgen. Vielleicht könnte die Uefa mithelfen, dass Wien wieder eine international taugliche Arena für europäische Endspiele bekommt. Denn den Pokal kennt man eigentlich eh schon - aus dem Finale Ajax gegen Milan. Erblickt im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Vor bald 20 Jahren.