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Lieber starkgeredet als unterschätzt

Von Christian Mayr

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Die österreichischen Teamspieler überbieten sich derzeit mit Lobbekundungen Richtung Liechtenstein, wo am Freitagabend das EM-Qualifikationsduell gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg stattfindet. Letztgenannter Ausdruck geht freilich keinem Spieler über die Lippen, auch die Termini Jausengegner oder Frühstücksgegner, die so mancher Journalist gerne herauskitzeln würde, hört man gewiss nicht von einem Akteur, der das rote Leibchen überstreifen will. "Im Vorbeigehen werden wir Liechtenstein sicherlich nicht besiegen", meinte schon vor 20 Jahren der österreichische Teamchef, der damals Herbert Prohaska hieß. Wobei einst das Zwerg-Wort noch angebracht schien: In der EM-Qualifikation für 1996 ließen Toni Polster und Co. den Amateuren des Fürstentums keine Chance und siegten 4:0 (auswärts) und 7:0. Auf derlei Schützenfeste braucht man heutzutage besser nicht wetten, weil selbst Halbamateure mit ihren Siebener-, Achter- oder Neunerketten am Strafraum jeden gegnerischen Angriffswirbel den Schwung abdrehen können. Daher könnte auf die ÖFB-Auswahl, sollte am Freitag kein schnelles Tor gelingen, ein Geduldsspiel warten. Am Ende muss es allerdings drei Punkte geben, sonst wäre der herbe Rückschlag auf dem Weg zur EM-Endrunde in Frankreich perfekt. Dann würde es auch gar nichts helfen, darauf hinzuweisen, dass Liechtenstein eben ein unangenehmer Gegner gewesen sei, der selbst Top-Mannschaften zur Verzweiflung treiben könne. Viel eher wäre dann der Vorwurf berechtigt, die Spieler hätten den mittelklassigen Gegner vor dem Match unnötig aufgebaut und so stark gemacht. Wie man es dreht und wendet - auf die Mannen von Marcel Koller wartet ein heikles Spiel, vor allem im Kopf. Jedenfalls kann keiner behaupten, man hätte Liechtenstein unterschätzt.