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Liebesgruß an eine Anarchin

Von Edwin Baumgartner

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Seit meinem 17. Lebensjahr bin ich verknallt in eine rothaarige Schwedin. Gekannt hab’ ich sie schon länger. Meine Mutter hat sie mir vorgestellt, da war ich sieben oder acht. Keine Liebe auf den ersten Blick, gebe ich zu. In diesem Alter stand ich eher auf
Dr. Dolittles Stoßmichziehdich aus dem sprechenden Zoo, den Hugh Lofting dem Tierarzt zudachte. Außerdem: Was soll ein Sieben- oder Achtjähriger mit einem Mädchen? Die waren doch sowieso alle nur irgendwie - anders.

Aber mit 17, da war es um mich geschehen, und die Liebe hat bis heute angehalten.

Und jetzt, also morgen, hat das Mädel von damals 70. Geburtstag. Was zeigt, dass sie ohnedies zu alt gewesen wäre für mich. Außerdem hätten meine Eltern einer Heirat kaum zugestimmt. Zwar hätte ihnen die Tierliebe des Mädels, das mit einem Affen und einem Pferd lebt, imponiert, aber eine Sahnetorte im Alleingang aufessen? 18 Kilo Bonbons kaufen? Einbrecher nicht anzeigen, sondern beschenken? Und überhaupt: Polizisten und Pferde samt Reitern hochstemmen? Ja, das konnte meine Kleine - und ich hab’ den Verdacht, sie kann und macht es auch heute noch als 70-jährige.

Richtig quer steht sie zur Wohlanständigkeit der Gesellschaft. Vom ersten Moment an ist sie eine Feministin, ohne das Wort auszusprechen, einfach, weil sie sich um Geschlechterregeln nicht schert, und sie ist eine Anarchistin, weil sie sich auch um die anderen Regeln nicht kümmert. Dass ausgerechnet eine Rosensorte nach ihr benannt wurde, ist da so irr, dass es schon wieder passt.

Ich bin unverändert verliebt in sie.

Grattis på födelsedagen, Pippi Langstrumpf!