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Liechtenstein ist eingezäunt

Von Alexander U. Mathé

Europaarchiv

Schengen-Beitritt der Schweiz hat skurrile Folgen. | Wien/Bern. Die Schweiz ist seit einem halben Jahr Teil des Schengen-Raums, und eigentlich steht alles zum Besten: Die Kooperation mit Österreich ist vorbildlich (wie von beiden Seiten versichert wird) und dank Schengen gibt es eine effizientere Sicherheitsorganisation in der Schweiz, garantieren deren Vertreter. Eigentlich alles perfekt. Doch der Schengen-Beitritt der Eidgenossen treibt auch manch wunderliche Blüte.


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Während die Schweiz durch das Abkommen im EU-Raum aufging, innerhalb dessen auf Kontrollen des Personenverkehrs verzichtet wird, wurde dies Liechtenstein von der EU verwehrt. Das macht den Zwergstaat zu einer Schengen-Außengrenze, die um teures Geld entsprechend gesichert werden musste. Nun wurde der Zwergenstaat mit Stacheldraht eingezäunt - so will es die EU.

Besonders fragwürdig wird dieser EU-rechtliche Zwang durch die Tatsache, dass Liechtenstein ausschließlich an die beiden Schengenländer Österreich und Schweiz grenzt. "Liechtenstein hat keinen internationalen Flughafen. Die Einreise ist nur über einen Schengen-Staat mit den entsprechenden Schengen-Kontrollen möglich", erklärte Botschafter Urs Bucher, Leiter des Integrationsbüros im Schweizer Außenministerium, gegenüber der "Wiener Zeitung". Ein illegaler Migrant "müsste da schon vom Himmel fallen".

Auch auf österreichischer Seite lässt man Unbehagen durchblicken. Christoph Archan, Europaexperte im Innenministerium, nannte "politischen Gründe" für das Liechtenstein-Kuriosum. Zurückzuführen dürften diese auf den Status des Landes als Steuer-Oase und dessen Bankgeheimnis sein, Vorwürfe, die allerdings auch die Schweiz und Österreich treffen. Ein Ende der bizarren Situation wird von Experten für 2010 mit dem Schengen-Beitritt Liechtensteins erwartet.