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Liegt das Heil im Internet?

Von Karl Leban

Wirtschaft
Anfang Dezember

Will die Bank Privatkundengeschäft behalten, muss sie Filialnetz radikal verkleinern.


Wien. Was mit dem defizitären Filialgeschäft der Bank Austria geschehen soll, ob es nun restrukturiert wird oder verkauft, entscheidet sich Anfang Dezember. Für das größte Geldinstitut im Land ist es eine Schicksalsfrage.

Sollte die Sparte verkauft werden (als Interessentin gilt die Bawag), bliebe von der Bank Austria nicht viel übrig - nur noch das Geschäft mit großen Firmenkunden, das Investmentbanking und das Private Banking (Vermögensverwaltung). Aber auch im Fall einer Restrukturierung geht es bei der Wiener Großbank ans Eingemachte.

Zumal die italienische Mutter Unicredit im Zuge ihres jüngsten Sparplans ein ambitioniertes Konzernziel für die Rendite aufs eingesetzte Kapital ausgegeben hat. Diese Rendite soll künftig auf elf Prozent mehr als verdoppelt werden. Bis 2018 soll der Gewinn der Bankengruppe auf 5,3 Milliarden Euro steigen. Voraussetzung dafür sind freilich milliardenschwere Sparvorgaben.

Wifo-Experte: "Schrumpfenauf ein absolutes Minimum"

Bank-Austria-Chef Willibald Cernko steht unter hohem Druck. Will er das Filialgeschäft mit seinen 1,6 Millionen Privatkunden für "sein" Institut retten, muss er massiv an der Kostenschraube drehen. Analysten könnten sich sogar vorstellen, dass dann die aktuelle Filialzahl von rund 200 halbiert wird - mit entsprechenden Einsparungen bei den Jobs (inklusive Backoffice zirka 3500). In diesem Fall müsste die Bank jedoch neue Konzepte aufsetzen: sich etwa nur noch auf den Großraum Wien zu konzentrieren oder in ihrem Netz lediglich einige wenige Vollservice-Filialen zu betreiben.

Von radikalen Schritten spricht auch Franz Hahn, der Bankenexperte des Wifo. Er rechnet damit, dass in fünf bis acht Jahren so gut wie alle Bank-Austria-Filialen wegrationalisiert sein werden - egal, ob das Privatkundengeschäft nun restrukturiert oder verkauft wird. Es werde dann nur noch ein paar größere Beratungszentren geben, so Hahn. "Das bedeutet: Schrumpfen auf ein absolutes Minimum."

Angesichts der offensichtlich zu teuren Infrastruktur ihres Filialgeschäfts sieht der Wifo-Experte die Bank Austria somit "in Richtung Direktbank gehen". Seine Begründung: Online-Banking sei auf dem Vormarsch und gerade bei einfachen, standardisierten Finanzprodukten werde das Internet als Vertriebsweg immer mehr genutzt. "Da braucht man keine Filialen mehr", sagt Hahn im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Direktbanken kämen mit einem Bruchteil des Personals aus, das Banken benötigen, wenn sie Filialen betreiben.

Cernko: "Alle Verträge habenselbstverständlich Bestand"

Neben den Mitarbeitern der Bank Austria sind derzeit auch viele ihrer Kunden verunsichert. Bankchef Cernko war am Donnerstag um Beruhigung bemüht. Gleich wie die Entscheidung für das Privatkundengeschäft ausfalle: "Alle Verträge und Vereinbarungen, die Sie mit uns getroffen haben oder künftig abschließen, haben selbstverständlich Bestand", versicherte der frühere CA-Banker in einem Brief an die Kunden, der in mehreren heimischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. Für persönliche Anfragen von Kunden setzte der Bank-Austria-Chef seine Mailadresse darunter: w.cernko@unicreditgroup.at.

Andere Geldhäuser versuchen unterdessen, aus der Debatte um das Filialgeschäft der Bank Austria Kapital zu schlagen. Die Erste Bank etwa umwirbt deren Kunden bereits mit gezielten Aktionen. "Sie suchen eine neue Bankverbindung? Wir freuen uns auf Sie", heißt es auf Flugzetteln der "Ersten", die gestern in Wien verteilt wurden. Für die Eröffnung eines neuen Kontos wird mit 20-Euro-Gutscheinen geworben.

Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) hat sich am Donnerstag bei ihrem Bundesforum mit der Bank-Austria-Belegschaft solidarisch erklärt. "Wir nehmen die Ängste und Sorgen der Beschäftigten der Bank Austria sehr ernst und werden in enger Abstimmung mit dem Betriebsratsteam der Bank Austria alles unternehmen, um einen Kahlschlag zu verhindern", hieß es in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Notfalls soll auch mit Mitteln des Arbeitskampfes um Jobs gekämpft werden.

Ob die Belegschaftsvertreter einer Verschlechterung des Dienstrechts zustimmen würden, wenn damit Jobs gerettet werden könnten, ist indes offen. Eine entsprechende Anfrage der "Wiener Zeitung" ließ die GPA am Donnerstag unbeantwortet.