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Links wischen für einen Daddy

Von Bernhard Baumgartner

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Institutionen, die der Stillung des Kinderwunsches dienen, sind bisweilen durchaus kreativ, wenn es um die Requirierung neuer Zielgruppen geht. Zum Beispiel jener, die sich nicht einmal mehr die Mühe machen, selbst zur Samenbank zu pilgern, um das genetisch beste Material zu ordern. In Großbritannien machen es die Kinderwunschkliniken den Müttern in spe jetzt noch einfacher. "Order a daddy" heißt eine - legale! - App, bei der man sich einen Vater für den genau geplanten Nachwuchs bestellen kann. Obwohl: Genau genommen kommt für 950 Pfund lediglich das nötige biologische Material per Post in die Wunschklinik. Einen echten Vater bekommt man dazu natürlich nicht. In der App kann man wie im Quelle-Katalog aus einer reichen Auswahl an Spendern wählen: Farbe der Haare, Augen, Beruf, Krankheiten und Rasse - sogar eine schriftliche Beschreibung des Spenders in bestem Marketing-Sprech ist abrufbar: "Freundlich, charmant und unkompliziert im Umgang - ein liebeswerter, fröhlicher Intellektueller", heißt es da. "Sympathisch, mit guten Manieren und sehr liebenswert", heißt es über einen anderen. Man kann die Kandidaten markieren und wird verständigt, wenn eine Portion verfügbar ist. Nie war Familiengründung nach exakten genetischen Vorstellungen einfacher. Das passt gut in unsere Zeit, wo wir am liebesten alles kontrollieren wollen und der Natur keinen Spielraum mehr lassen wollen. Nach dem Motto: Ein Auto kaufen wir ja auch mit genau definiertem Ausstattungskatalog, warum also bei einer teuren Investition wie einem Kind etwas dem Zufall überlassen?