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Linsengericht: Ab ins Klostertal!

Von Francesco Campagner

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Lange ist es her, als im Hauptabendprogramm des ORF noch Opernübertragungen die Gunst des Publikums fanden. Hatten noch unsere Großväter den Kultur- und Sittenverfall mit dem Aufkommen der Rock-

und Popmusik befürchtet, so hat sie die Gegenwart brutal widerlegt. Die Popdiscojünglinge dürfen nur beim "Bravo"-und Intimsender "RTL2", liebster Arbeitsplatz ehemaliger ORF-Granden,

aufmarschieren. Beim ORF serviert die Schunkelbrüder-Partie am Abend genmanipulierte Volksmusik. Das "Klostertaler Winterfest" war am Sonntagabend in ORF 2 ein besonderer Härtetest für Ohren und

Augen. Vor einem ausgelassenen Publikum, das mit Bier und anderen hochprozentigen Getränken gut versorgt war, trällerten die merkwürdigsten Arten von Künstlern: One-Hit-Wunder, Nachahmungsbands,

Schunkelmusikanten und Kuschelsänger.

Das ganze Spektakel war eine "Gaudi" · meines Erachtens erster Anwärter auf den Titel "gefährlichstes Wort der Alpenrepublik". Hübsch, wie ein paar leicht beschürzte Mädchen brav bei jeder

Schunkelmelodie die Hüften schwingen ließen; nett, wie Adriana Zartl auch die peinlichsten Erscheinungen mit lobenden Worten ankündigte; romantisch, wie das Klostertal in einfachsten Worten beworben

wurde. Das war öffentlich-rechtlicher Rundfunk, wie man ihn sich vorstellt, den Privaten in Sachen Volksnähe um Jahre voraus.