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Linsengericht: Die Laden-Hüter

Von István Orbán

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Am Donnerstag der vergangenen Woche beschäftigte sich einer der Beiträge des Wirtschaftsmagazins Euro Austria in ORF 2 mit einem alten Thema in aktuellem Gewande. Das alte Thema: Die

Ladenöffnungszeiten. Das aktuelle Gewand: Die Möglichkeiten und Grenzen des Sonntagseinkaufs.

Der Hintergrund: Vor einiger Zeit hat Billa damit begonnen, an zwei Wiener Bahnhöfen auch am Sonntag ganztags offenzuhalten und das gesamte Sortiment zum Kauf anzubieten. Und das Geschäft florierte.

Bis · in Gestalt der Arbeiterkammer · die Wiener Laden-Hüter auf den Plan traten und Anzeige erstatteten, daß da mehr verkauft werde als nur Reiseproviant (was das im einzelnen auch sei). Das

Ergebnis: Billa sperrte jetzt sonntag per Gitter alles vermeintlich nicht Reiseproviantige ein und die Kaufwilligen aus. Kärnten hat es da besser: Weil Fremdenverkehrsregion (was Wien anscheinend

nicht ist), dürfen die Geschäfte auch sonntags das volle Sortiment offerieren. Doch auch da regt sich ein Laden-Hüter. Ein Betriebsrat von Spar in Klagenfurt möchte in seiner Filiale das Wiener

Gitter errichtet sehen.

Das ist jene Art österreichischer Real-Satire, die alles regulieren will, statt die Selbstregulierung zuzulassen. Und vor den Wahlen geschieht nichts, weil sich die einen den Unternehmern, die

anderen den Handelsangestellten (ihren vermeintlichen Wählern) verpflichtet fühlend einzementieren. Die ausgesperrten Kunden scheinen Nebensache zu sein. Aber auch die · und sie bilden die nach der

Zahl weitaus größte Gruppe · werden wählen gehen . . .