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Linsengericht: Elferschießen am Himmel

Von Francesco Campagner

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Es war das große Erlebnis, einfach zum Staunen: Die Sonne ließ sich in der Mittagszeit vom Mond bedecken und während dies geschah, waren die Menschen in Europa hautnah dabei. Auch ich war einer

von jenen, die sich diesem Spektakel nicht entziehen konnten, und saß gebannt vor dem Fernsehgerät. Während es also in der freien Natur dunkel wurde, beobachtete ich im hell erleuchteten Wohnzimmer

das Geschehen. Eine Sonnenfinsternis jagte die andere · von Frankreich bis Österreich immer das gleiche Bild: Sonne, Mond-Sonne, Mond. Dazwischen Reporterfragen · "was fühlen Sie?", "was sagen Sie?",

"was empfindet man?" · und variantenreiche Antworten, von "nicht jetzt" bis zum euphorischen "Super".

Es war ein mystisches Ereignis, ob bei klarem oder bewölktem Himmel. Drei Stunden TV-Programm auf ORF 2, um zwei Minuten Dunkelheit einzufangen, vergleichbar nur mit einem torlosen Fußballspiel mit

abschließendem Elfmeterschießen. Und alle waren danach gezeichnet: Der Reporter, der den Botaniker als für die Tierwelt zuständigen Experten bezeichnete, die Tiere, die eifrig nochmals ihr Frühstück

einnahmen, und auch die braven Sonnenfinsternis-Reisenden, die einen erheblichen Teil des Tages im Stau verbrachten.

Für Nostradamus wird es nun aber eng, die Finsternis war da, die große Katastrophe blieb aus. Aber wer weiß, vielleicht meinte er ja auch nur das Jahr 2000-Problem.