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Linsengericht: Frustrierter Fernseher?

Von Francesco Campagner

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In den letzten Wochen plagte ich mich ziemlich mit einem nervenden Mitbewohner ab. Immer wieder zuletzt meldete sich der freche Kerl zwischendurch mit dem jovialen "Hallo, ich bin's, dein

Fernseher", manches Mal vermeinte ich dagegen das gebieterische "Hallo, ich bin dein Fernseher!" zu vernehmen. Am schlimmsten war aber die philosophische Wahrnehmung "Hallo. Ich bin. Dein

Fernseher". Seit diesem Augenblick betrachtete ich das Ungeheuer, dessen Vorfahren meine Ahnen noch schön zudeckten, damit sich das Auge an dem schrecklichen Anblick nicht stören mochte, mit

größerem Mitgefühl.

Eigentlich begann ich mich sogar für seine Probleme zu interessieren. Was will mir mein Fernseher also sagen, dachte ich. Fühlt er sich einsam und allein oder ist er einfach nur frustiert? Nach

einiger Zeit kam ich auf die Lösung. Er mochte nur das ORF-Programm nicht, denn bei Arte oder Premiere World stört er nie mit wehleidigem Unsinn.

Ich kann mit ihm mitfühlen, doch den Wunsch nach weniger ORF kann ich ihm zurzeit nicht erfüllen. Und auch in Frühpension schicke ich ihn nicht, da braucht er sich nach dem Scheitern der

Regierungsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP keinerlei Illusionen hingeben, schließlich sollen auch Fernseher länger arbeiten und nicht verweichlicht werden.