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Linsengericht: Handelskammer-News

Von Stefanie Holzer

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Die Reihe "Brennpunkt" versprach am Mittwochabend um halb elf Informationen über China. Also setzte man sich wissbegierig vor dem Fernseher in Positur · um eine Überraschung zu erleben. Werner

Fitzthums Film "Rauhes Leben im Reich der Mitte" führte dem Zuschauer einen ehemaligen Bauern vor, der Unternehmer geworden ist.

Als Inhaber einer Ziegelmanufaktur, von Schweine- und Hühnermastbetrieben und einer unübersehbaren Fläche von gatschigen Reisfeldern darf er sich Millionär nennen. Das ist sehr erfreulich. Weshalb

allerdings Werner Fitzthum nicht versucht hat, herauszufinden, welcher Glücksfall oder welche geniale Idee den Bauern so reich gemacht hat, bleibt rätselhaft. "Es gibt sicher einen Trend zu mehr

reichen Bauern", ließ uns der chinesische Bauer als Millionär eine nachkommunistische Bauernregel hören. Und Fitzthum flocht abwiegelnd ein: "Für die große Mehrheit der Landbevölkerung führt kein Weg

zu wirklichem Reichtum."

Meine Neugierde, was "wirklicher Reichtum" ist und bei welcher Landbevölkerung in welchem Land der Erde der anzutreffen sei, wurde leider nicht befriedigt. Ich rieb mir die Augen, als nacheinander

Funktionäre der Partei und des Staates ausgiebig zu Wort kamen. Der Verdacht verdichtete sich, dass ORF 2 seinen Zuschauern da eine Belangsendung der chinesischen Handelskammer zugemutet hat.