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Linsengericht: Klischees statt Ironie

Von Francesco Campagner

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Merkwürdiges geschieht seit geraumer Zeit sonntags im heimischen Fernsehen. Zwei Spitzenkabarettisten arbeiten sich mühevoll durch eine Sitcom, die · wie sich nun herausstellt · aus berechtigtem

Grund bereits vor der Ausstrahlung als Video-Edition auf den Markt kam. "MA 2412", so der Name des ORF-Produkts, kommt über den hierzulande leider üblichen Ansatz, Klischees als Parodie zu verkaufen,

nicht hinaus. Im Amt trinken die Verwaltungsbeamten Alkohol, rauchen ununterbrochen, nehmen Geschenke an und geben sich ganz allgemein dem Müßiggang hin. So wie es sich der Bürger in seinem Gram über

die zahlreichen Behörden in seiner dunkelsten Fantasie ausmalt.

Lustig oder gar ironisch ist das Ganze nicht, "turbulent", wie die Vorankündigung ankündigt, schon gar nicht. Da hatte sogar die verblichene "Liebe Familie" mehr Witz und gehörig mehr Tiefgang. Was

Humor bedeutet, führen statt dessen auf den diversen TV-Kanälen Leute wie Rowan Atkinson und John Cleese mit britischer Perfektion vor. Wer Sendungen wie "Black Adder", "Inspektor Fowler", "Fawlty

Towers" oder "Mr. Bean" jemals gesehen hat, wird sich über die "MA 2412" nur mehr wundern. Während "Tohuwabohu", um ein anderes österreichisches Produkt zu nennen, durch sein aberwitziges Slapstick-

Dauerfeuer zumindest phasenweise die Lachmuskulatur reizte, ist "MA 2412" genauso lustig wie der Name besagt.