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Linsengericht: Kriegsberichterstatter

Von Manfred A. Schmid

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Leicht hatten sie es nicht, die ORF-Reporter, die sich in den letzten Wochen allabendlich von den verschiedenen Schauplätzen der sich dahinziehenden Regierungsverhandlungen und den Parteizentralen

zu Wort meldeten. Nicht nur mussten sie in Kälte, Sturm und Regen stundenlang ausharren, sie wurden meist auch nur mit äußerst dürren Wortspenden der Politiker abgespeist, die sie dann in den

verschiedenen Ausgaben der "Zeit im Bild" wie Orakelsprüche zu deuten suchten.

Diese innenpolitischen Kriegsberichterstatter haben mein tiefstes Mitgefühl. Dennoch ist ihre Performance einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Auch wenn man die erschwerten Arbeitsbedingungen

ins Kalkül zieht, fällt die Bilanz wenig erfreulich aus. Robert Wiesner beispielsweise bot ein jämmerliches Bild, als er am Montag vor einer Woche verzweifelt nach Worten rang und dann, sich

krampfhaft hinter den Rändern seiner Brille versteckend, in die Kamera stammelte, dass er den Namen des dritten SPÖ-Verhandlers vergessen habe. Damit kein Irrtum entsteht: Hänger kommen bei den

besten Schauspielern vor, es ist eine Frage, wie man damit umgeht: so mitleidserweckend traurig und unprofessionell jedenfalls nicht.

Möglicherweise war es turnusgemäß, Wiesner wurde inzwischen von Dieter Bornemann abgelöst. Er hinterließ einen routinierteren Eindruck · bis zum Moment, als eine Person an ihm vorbei eilte. "Nun hat

mich das ganz aus dem Konzept gebracht", meinte er, als er darauf den Faden verlor. Das ist nicht einmal als "Hoppala" gut und passiert wohl nur, wenn man gestandene Rundfunkjournalisten vor die

Kamera wirft wie Gladiatoren in die Arena.