Zum Hauptinhalt springen

Linsengericht: Krokodil im Sommer

Von Stefanie Holzer

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die politischen "Sommergespräche" sind kein leichtes Amt für den jeweils amtierenden Journalisten. Im Lauf der Jahre hat man mit wechselndem Wohlgefühl verschiedene Ambiente ausprobiert und

gesehen, wie Österreichs beste Journalisten sich abmühen, die Sommerhitze mit Neuigkeiten zu erfüllen. Am Sonntagabend (ORF 2, 21.55 Uhr) lud Johannes Fischer nun schon zum dritten Mal ins Haas-Haus,

um nach der Stärke ihrer Parteien geordnet mit der Dame und den vier Herren Tacheles zu reden.

Jörg Haider kam in sommerlich legerer Kleidung und war sichtlich entspannt. Das Amt des Landeshauptmanns muss, schließt der wählende Bürger, tatsächlich eine sehr befriedigende, ja befreiende Aufgabe

sein . . . Haider jedenfalls will nicht mehr das "Krokodil der Innenpolitik" sein, das er für Heide Schmidt, die am Sonntag zuvor ins Haas-Haus geladen war, immer noch ist. Es ist kurios, dass zwei

Politiker, die ansonst professionell agieren, über ihre Trennung auch nach Jahren nicht hinwegkommen. Fischer ist ein Gastgeber, den man sich nicht wünscht: Er lächelt nie und schaut seine Gäste

während des Gesprächs kaum an. Vielmehr sucht und fixiert er, während er spricht, einen Punkt irgendwo abseits seines Gesprächspartners · eine Umgangsform, die man eher beim Portier in einem von der

Schließung bedrohten Erholungsheim eines ukrainischen Traktorenwerks erwarten würde als in den oberen Sphären des ORF · dennoch sind seine Fragen gut, wenn man es aushält, wie er das macht.