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Linsengericht: Mythos als Programm

Von Francesco Campagner

Kommentare

Seit Tagen berichten alle Medien rund um die Uhr über den Flugzeugabsturz von John F. Kennedy junior. Dem ORF war die Vermißtenmeldung von John John, wie er genannt wurde, am Samstag bereits den

Aufmacher der "ZiB 1" wert. Doch wer war JFK jr.? Wie wir alle nun wissen, war er Herausgeber eines Nachrichtenmagazins; bevor er heiratete, begehrter Junggeselle · und in erster Linie Sohn. Sohn des

größten Mythos der US-Politik seit Abraham Lincoln, nämlich John F. Kennedys. Das reicht. Amerika trauert, wir trauern mit und sehen dabei immer wieder die gleichen Bilder. JFK in Dallas, John John

salutierend beim Begräbnis, Robert Kennedy vor dem Attentat, der Wagen von Edward sowie Bilder anderer Söhne, die schon längst nicht mehr unter uns weilen. Der Mythos Kennedy reicht für etliche

Wochen Programm. Bislang sind die dargebotenen Häppchen noch verdaubar.

Besonders aufschlußreich sind die eingeholten Kommentare. Genforscher, Psychologen, Flugexperten und die üblichen Tratschreporter geben dem Unglücksfall die nötige Farbe, um den Kennedy-Mythos weiter

zu nähren. Der Bogen wird bereits zu Diana gespannt, die Kennedys als Amerikas Royalties bezeichnet, einzig die Verschwörungstheorie fehlt noch im John-John-Drama. Doch einen Hauch davon

lieferten schon deutsche Privat-TV-Sender: die Schwägerin sei zu spät gekommen und habe JFK jun. und damit eine ganze Nation ins Verderben gestürzt. Abenteuerliches wird folgen, der Sommer ist noch

lang.