Zum Hauptinhalt springen

Linsengericht: Rett in Rot

Von István Orbán

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Mein Rezensenten-Montag war gut geplant, aber dann kam es doch anders. Also: 20.15 Uhr, TM3: Sarafina. Filmversion des Antiapardheits-"Musicals" von und über eine High School im Soweto des

vordemokratischen Südafrika, filmisch aufgerüstet mit Whoppi Goldberg und Miriam Makeba. Pathetisch, natürlich, und sentimental. Na und? Ein wichtiges Thema, ein echtes Anliegen, und insgesamt eine

grandiose Leistung der Schülertruppe. Dann kamen, zwischen neun und halb zehn, meine Kinder: "Ich kann nicht schlafen, es ist so heiß." Rezensionsdienst aus, Vaterdienst an. Filmriss. Macht nichts,

ich habe die mitreißende Aufführung schon vor zehn Jahren bei den Wiener Festwochen gesehen. Kurz darauf begann in TM3 "Babettes Fest", ein wunderbarer dänischer Film über das Zusammentreffen von

skandinavisch-protestantischem Puritanismus und opulenter französischer Kochkunst im vergangenen Jahrhundert.

Ein Film zum Sich-Zurücklehnen und Ruhig-Genießen. Tat ich auch. Bis meine Frau mich dringend um Hilfe am Computer rief. Nach der Problemlösung hatte die Rückkehr in den Film keinen Sinn mehr. Was

tun? Der Einstieg in "Treffpunkt Kultur" ist immer möglich, also umschalten zu ORF 2. Und da stand Barbara Rett im roten Plissee-Kleid, den linken Arm leicht auf ihr Pult gestützt. Eine Skulptur, ein

Kunstwerk für sich.

Dieses Bild allein war es wert, den ganzen Abend vor dem Fernseher zu verbringen.