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Lippenbekenntnisse

Von Petra Medek

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Die Wintersaison startet. Die Tourismusregionen laufen ab Mitte Dezember auf Hochtouren. Je nachdem, wie Ostern und Schnee fallen, ist der Spuk oft schon Ende März vorbei. In vielen Orten hat man den Eindruck, als würden dann die Straßen aufgerollt. Erst im Sommer erwachen ein paar Regionen wieder aus dem Dämmerschlaf. Schaut man sich die Bettenauslastung im Winterhalbjahr (Anfang November bis Ende April) nach Bundesländern an, so bringt es Tirol im Schnitt auf traurige 50 Prozent.


Über Saisonausdehnung in den Herbst und Frühling wird schon lange diskutiert. Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, für den sich nicht nur die Hoteliers, sondern auch die Gewerkschaft erwärmen kann. Kern der Idee: Die Mitarbeiter bleiben länger in Beschäftigung, AMS und Arbeitgeber teilen sich die Löhne. Als der Urheber der Idee, der Chef des Hotelmanagement-Unternehmens Vienna International, Rudolf Tucek, sein Modell kürzlich am Rande einer Messe in Salzburg thematisierte, kamen sogar von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zustimmende Worte. Man könne eine Modellregion in Salzburg einrichten, schlug sie vor. Allein: In der Salzburger Landesregierung hat man davon noch nie etwas gehört. Auf Anfrage beim zuständigen Tourismus-Referenten erntet man nur Staunen.

Auch bei den groß angelegten Tourismus-Strategiegesprächen, die von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner initiiert wurden, stehen Maßnahmen zur Saisonverlängerung nicht ganz oben auf der Agenda. Dies sei zwar immer ein Thema, in welcher Form man darüber spreche, sei aber offen, heißt es aus dem Ministerium. Und auch im Sozialministerium ist man zwar über den Vorschlag informiert, wie man weiter vorgehen werde, sei aber noch in Schwebe. Dabei brennt jetzt der Hut: Bis man die Saisonverlängerung in einer Region ins Laufen bringt, vergehen Monate. Und dass gerade die nächste Zeit kein Spaziergang für die Touristiker wird, ist unbestritten. Statt sich über die Krise zu beklagen, wäre es jetzt höchste Zeit, an den Strukturen der Branche zu feilen. Sonst bleibt es wieder nur bei Lippenbekenntnissen.