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"Liste Martin" zerbricht erneut

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv
EU-Abgeordnete Angelika Werthmann. Foto: EU-Parlament

Werthmann geht, fragt nach Verbleib von Millionen Euro. | Brüssel. Zum zweiten Mal zerbricht eine Delegation der "Liste Martin", mit der Hans-Peter Martin bei Europawahlen reüssiert hat. Denn am Mittwoch gab die EU-Abgeordnete Angelika Werthmann bekannt, dass sie aus politischen und persönlichen Gründen ausgetreten ist. Dies habe sie Martin per E-Mail mitgeteilt, erklärte die Salzburgerin. In dem kurzen Schreiben erklärte sie ihren Austritt "mit sofortiger Wirkung", weil sie nicht sehe, wie sie in der "Liste Martin" ihr Wahlversprechen umsetzen könnte.


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Sie frage sich, wo die mindestens 3,5 Millionen Euro an Wahlkampfkostenrückerstattung geblieben sind, die Martin für seine Antritte bei den EU-Wahlen 2004 und 2009 aus Steuergeldern erhalten hat, sagte sie. Martin habe ihr dazu keine Antwort geben können. Zu jenen kolportierten 500.000 Euro, die sein Wahlkampf im Vorjahr gekostet haben soll, habe sie "nie eine Abrechnung gesehen".

Martin erfülle seine eigenen Forderungen nach Transparenz und Demokratie nicht. Es habe innerhalb der Delegation keine Teamarbeit und kaum Gespräche miteinander gegeben. Nach einem gemeinsamen Jahr im EU-Parlament sei ihre Sicht auf Martins politisches Wirken eine dramatisch andere. Martin habe im Widerspruch zu seinen Wahlversprechen abgestimmt und "enormen Druck" auf sie ausgeübt, um auch ihr Abstimmungsverhalten zu beeinflussen.

Zwar habe sie ihn ursprünglich als "korrekten Menschen" kennen gelernt und sei für ihre Nominierung dankbar, erzählte Werthmann. Doch schon "am Wahltag stand ein anderer Mensch vor mir". Er habe sie zum Verzicht auf ihr Mandat überreden wollen und sich in weiterer Folge als "sehr schwieriger Charakter" erwiesen. Sie wolle jetzt "das Schweigen brechen", meinte Werthmann. Von ihren beiden bisherigen Listenkollegen erwarte sie einen "erwachsenen Umgang" mit ihrem Austritt.

Während Martin nicht erreichbar war, bezichtigte der Listenzweite Martin Ehrenhauser Werthmann des "Verrats an der Wählerliste HPM". Martin habe "bis zur Selbstaufgabe" versucht, die Kollegin zurückzuholen, und schließlich einen "Nervenzusammenbruch" erlitten. Zur Frage nach dem Verbleib der Steuermillionen wollte er keine Stellung nehmen.

Werthmann verbleibt zunächst als unabhängige Abgeordnete im EU-Parlament. Die frühere ORF-Journalistin Karin Resetarits, die sich 2005 im Streit von der "Liste Martin" getrennt hatte, war damals zu den Liberalen gegangen.