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Lob für das Einschlafmittel

Von Simon Rosner

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Spanien wird für seine langweilige Spielweise kritisiert, doch es sind vielmehr die Gegner, die für die lauen Partien verantwortlich sind.


Schäfchen zählen gehört zu den Hausmitteln bei Einschlafproblemen. Aber wer macht denn das wirklich? Eine Alternative wäre, die Pässe der spanischen Teamspieler zu zählen. Aus dem einst sehenswerten Tiqui-Taca des Welt- und Europameister ist bei dieser EM mehr ein Taaak-Taaak-Taaak geworden, das wenige Höhepunkte bietet.

Es hat schon mehr Spaß gemacht, den Spaniern beim Kicken zuzuschauen, allerdings ist es geradezu eine Frechheit, der Mannschaft dies zum Vorwurf zu machen. Denn dass die Partien der Spanier etwas langweilig sind, ist weniger ihnen anzulasten als den Gegnern.

Als sich Spanien bei der Euro 2008 mehr und mehr in einen Rausch spielte, wurde der Begriff Tiqui-Taca gerade erst erfunden. Spaniens Gegner standen noch viel offener, wie etwa Russland, das im Halbfinale von den Iberern mit 3:0 auseinandergenommen wurde. Auch bei der WM zwei Jahre später versuchten es einige Teams wie Chile und Portugal noch recht offensiv gegen das weltbeste Kollektiv.

Doch das ist endgültig vorbei. Bei dieser EM bauten bisher alle Mannschaften einen Wall aus Menschen vor dem Strafraum auf und richteten auch sonst ihre Strategie sehr gezielt auf Spanien aus. Kroatiens Slaven Bilic verzichtete etwa in der Vorrunde lange auf einen zweiten Stürmer, den er sonst immer gebracht hat, um im Mittelfeld halbwegs dagegenhalten zu können.

Schon bei seinem WM-Erfolg hat Spanien in den K.o.-Runden ausschließlich 1:0-Siege eingefahren, so gesehen war das 2:0 gegen die Franzosen schon torreich. Auch für die Spanier geht es eben bei einem Turnier in erster Linie ums Ergebnis. Das Schönspielen-und-dann-Verlieren haben die Iberer drei Jahrzehnte lang gehabt, man muss ihnen zugestehen, dass sie resultatsmäßig einiges aufzuholen haben. Doch ihr Defensivkonzept basiert nicht wie das anderer Mannschaften auf Rückzug, sondern auf Kontrolle. Sie geben den Ball einfach nicht mehr her und kontrollieren das Mittelfeld. Sie lösen also die Problemstellung, den Gegner vom Toreschießen abzuhalten, auf spielerische Weise, und das verdient Lob, nicht Kritik.

Genau das aber wirkt manchmal einschläfernd, weil die Gegner dann meist nicht einmal zu Halbchancen kommen. Das ist anders, wenn sich eine Mannschaft weit zurückzieht, dann fliegen immer irgendwelche halbgefährlichen Bälle in den Strafraum. Das mag dann vielleicht nicht einschläfernd sein, aber es ist eine plumpe Art, zu verteidigen.