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Lob und Kritik für Islamlehrer-Studie

Von Stefan Beig

Politik

Wissenschafter ortet teilweise "Überinterpretation". | "Studie als Ganzes sehr gelungen." | Wien. Die Islamlehrerstudie des Soziologen Mouhanad Khorchide hat auch Kritik geerntet: Hier würden "in einer Art und Weise Aussagen über Einstellungen und Haltungen konstruiert, die wissenschaftlich unhaltbar sind", meinte Stefan Hopmann vom Institut für Bildungswissenschaft. Die Dissertationsbetreuerin Hilde Weiss und zwei weitere international renommierte Begutachter halten Khorchides Untersuchung hingegen für "methodisch einwandfrei". Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagt Hopmann: "Die Studie als Ganzes halte ich für sehr gelungen."


Seine Kritik nimmt Hopmann aber nicht zurück: Er habe primär die Vermischung von inhaltlich verschiedenen Items unter einem einzigen Allgemeinbegriff kritisiert. So habe etwa die Aussage "Meiner Ansicht nach ist jemand, der die fünf Pflichtgebete nicht einhält, kein Muslim", ein anderes Gewicht als die Zustimmung zur Todesstrafe beim Abfall vom Islam. Dennoch seien beide Items der Skala "Fanatismus" zugerechnet worden. "Da sehe ich eine Überinterpretation, die über das Ziel hinausschießt", so Hopmann. Aus stärkeren Glaubensüberzeugungen folge noch keine fanatische Grundhaltung.

Dennoch hält Hopmann die Studie für "das Beste, was wissenschaftlich in Österreich bisher zu diesem Thema geleistet wurde. Aus den Erhebungen geht klar hervor, dass es einen problematischen Kern unter den Lehrern gibt. Dass 18,2 Prozent der Befragten Verständnis für Todesstrafe beim Abfall vom Islam äußern, ist deutlich genug." Aber man dürfe deswegen nicht gleich eine ganze Personengruppe diffamieren.

Lehrerausbildung fehlt

Das Hauptproblem sieht Hopmann ebenso wie Ednan Aslan von der Islamischen Religionspädagogik bei der fehlenden Lehrerausbildung. Gegenwärtig planen Aslan und Hopmann eine empirische Studie, bei der Vergleiche zwischen verschiedenen Lehrergruppen angestellt werden sollen. "Solche Ergebnisse einer breiter angelegten Studie halte ich für wertvoll. Auch Khorchide könnte sich beteiligen. Ich halte ihn für einen sehr guten und talentierten Wissenschafter."