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Lob und Tadel für Benedikt XVI.

Von Alexander Mathé

Politik

Mit großer Freude ist der neue Papst bei den konservativen Katholiken aufgenommen worden. Bei Linken und Liberalen hingegen überwiegen Enttäuschung und Wut. Die Reaktionen auf die Ernennung von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst reichen von warmen Glückwünschen bis hin zu schwerer Skepsis.


Gleich nach der Ernennung des neuen Papstes trudelten im Vatikan die Glückwünsche aus aller Welt ein. Der Regierungschef von Italien Silvio Berlusconi wünschte dem neuen Papst ein "fruchtbares Pontifikat für das Wohl der ganzen Menschheit". Auch Staatschef Carlo Azeglio Ciampi gratulierte Joseph Ratzinger: "Dies ist eine Stunde der Freude für alle Italiener".

Überschwengliches Lob für Benedikt den XVI. kam aus Tschechien . Staatspräsident Vaclav Klaus bezeichnete Ratzinger als "entschlossenen Verteidiger der Werte, auf denen unsere gesamte Zivilisation basiert und die in der heutigen Welt so oft in Frage gestellt und relativiert werden".

Der britische Premier Tony Blair, hofft auf die "Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl in Angelegenheiten von internationaler Bedeutung wie Afrika und Entwicklung fortzusetzen." Glückwünsche kamen auch aus Vietnam , wo die Zahl der Katholiken in den letzten fünf Jahren um 14,4 Prozent zugenommen hat. Die Regierung teile "die Freude der katholischen Weltgemeinschaft", erklärte Außenamtssprecher Le Dung in Hanoi.

Israel hofft bei Benedikt XVI. auf Kontinuität. "Vor dem Hintergrund des neuen Papstes bin ich sicher, dass er wie sein Vorgänger eine mächtige Stimme gegen alle Formen des Antisemitismus ist", erklärte Außenminister Silvan Shalom. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas setzt auf Ratzingers Engagement im Nahost-Konflikt: "Ich hoffe der Vatikan unterstützt weiter einen gerechten Frieden im Heiligen Land, dem Land der göttlichen Verkündung."

Geteilt war die Freude über Ratzingers Ernennung in Spanien . Während konservative Kreise die Wahl feierten, will Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero gar nicht erst an der feierlichen Amtseinführung des Papstes teilnehmen. Ratzinger hatte scharfe Kritik an den Plänen der sozialistischen Regierung zur Homosexuellen-Ehe geübt.

Auch aus den USA kamen unterschiedliche Reaktionen. Präsident George W. Bush lobte Benedikt XVI. als Mann mit "großer Weisheit und Erfahrung." Weniger glücklich dürfte Bushs vormaliger Kontrahent John Kerry sein. Der neue Papst hatte mitten im US-Wahlkampf die amerikanischen Bischöfe indirekt angewiesen, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten die Kommunion zu verweigern. Grund dafür war, dass Kerry das Recht der Frauen auf Abtreibung unterstützt hatte. Eine US-Interessenvertretung junger Missbrauchsopfer katholischer Priester warf Joseph Ratzinger vor, in der Vergangenheit eine Untersuchung des Vatikan über den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch von mindestens neun Buben unterbunden zu haben.

Scharfe Töne kamen aus China . Die Volksrepublik knüpfte eine Verbesserung der Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl an zwei Bedingungen: Der Vatikan müsse seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abbrechen und sich nicht unter dem Deckmantel der Religion in innere Angelegenheiten Chinas mischen.

Sie Türkei hat ebenfalls mit Skepsis und Misstrauen auf die Wahl des neuen Papstes reagiert. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich in einer ersten Reaktion skeptisch: Er hoffe, dass sich Ratzinger in seinem neuen Amt anders verhalte, als er dies in seiner Zeit als Kardinal getan habe.