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Lokführergewerkschaft bringt Chef der Deutschen Bahn unter Zugzwang

Von AnalysePetra Medek

Analysen

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, gerät dieser Tage unter Zugzwang. Nach wochenlangem Gerangel um Gehaltserhöhungen stimmte er - mit großen Bedenken, wie er betonte - am Montag einer Tariflösung zu, um weitere Streiks zu vermeiden.


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Jene Gewerkschaft, die in den letzten Tagen wiederholt den Bahnverkehr in Deutschland durch Warnstreiks teils zum Erliegen gebracht hatte, war bei dieser Lösung jedoch nicht mit am Tisch: Für die Gewerkschaft der Lokführer, kurz GDL, sind die mit den beiden größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA (Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter) ausgehandelten Bedingungen unzumutbar. Sie fordert für Lokführer, Schaffner und die Mitarbeiter der Bordrestaurants einen Spartentarifvertrag und Lohnerhöhungen von bis zu 31 Prozent.

Mit GDBA und Transnet hatte sich die Deutsche Bahn auf eine - überraschend hohe - Lohnerhöhung von 4,5 Prozent ab Anfang 2008 plus Einmalzahlung von 600 Euro im heurigen Jahr geeinigt.

Mehdorn zeigt den Lokführern die kalte Schulter. Die Bahn prüfe bereits Schadenersatzforderungen gegen die GDL, kündigte er an. Außerdem hat er mehrere einstweilige Verfügungen gegen die Warnstreiks erwirkt - auf welche die Lokführer-Gewerkschaft mit Einsprüchen konterte.

Für Mehdorn steht jedoch noch mehr auf dem Spiel: Sollte es der Lokführer-Gewerkschaft gelingen, einen höheren Tarifabschluss auszuhandeln als GDBA und Transnet, so könnten diese sofort ihren Tarifvertrag kündigen. Möglich macht dies ein Passus, den die beiden Gewerkschaften im Tarifabschluss durchgesetzt haben. Diese sogenannte Revisionsklausel soll die beiden Verbände absichern, sagte der Chef der GDBA, Klaus-Dieter Hommel, zur "Süddeutschen Zeitung". Solche Klauseln seien überall dort üblich, wo konkurrierende Gewerkschaften agierten.

Am Freitag soll es zu einem Treffen zwischen GDL und dem Management der Deutschen Bahn kommen. Mehdorn hat bereits betont, er werde der GDL nicht mehr als den anderen Gewerkschaften bieten. GDL-Chef Schell zeigt sich indes unbeeindruckt. Das Geld in der Streikkasse reiche länger, als dem Bahnvorstand lieb ist, sagte er.

Auch, wenn Schell meint, so lange streiken zu müssen bis sich die Bahn bewegt - die Geduld von tausenden Pendlern und Bahnkunden ist wohl schon früher erschöpft als die GDL-Streikkasse.