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London bricht mit Teheran

Von Arian Faal

Politik

Proteste gegen Westen halten in Teheran an.


London/Teheran. Großbritannien hat seine Botschaft im Iran geschlossen. Einen Tag nach der Erstürmung der Vertretung durch junge Studenten und Männer der paramilitärischen Bassij-Milizen in Teheran herrscht Eiszeit zwischen den beiden Ländern.

In einer Erklärung des Außenamts in London wurde bekanntgegeben, dass die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf ein Minimum reduziert werden. Das diplomatische Personal und die Botschaftsbediensteten der Briten wurden über Dubai ausgeflogen und parallel dazu die iranischen Diplomaten in London aufgefordert, das Land binnen 48 Stunden zu verlassen. Im Gegenzug hat der Iran seinerseits alle britischen Diplomaten ausgewiesen. Zugleich riefen Deutschland, Frankreich und die Niederlande ihre Iran-Botschafter zu Konsultationen in die Heimat zurück.

Irans Außenminister Ali Akbar Salehi versicherte nach mehreren Telefonaten mit London, dass ihm der Vorfall leidtue und er alles daran setzen werde, das diplomatische Personal zu schützen. Auch sonst liefen die Telefone im iranischen Außenamt heiß. Pausenlos beschwerten sich westliche Diplomaten über die "unerhörten und unzumutbaren Geschehnisse". Weltweit wurden mehrere iranische Botschafter, darunter jener in Berlin, kontaktiert, in die jeweiligen Außenministerien zitiert und aufgefordert, der Regierung in Teheran verstehen zu geben, dass der Schutz diplomatischer Vertretungen innerhalb von internationalen Rechtsbedingungen oberste Priorität habe.

Mittlerweile sind die Standorte der britischen Botschaft in Teheran zwar weitgehend leer, doch die Studenten und Bassij-Mitglieder skandierten auch am Mittwoch wieder: "Weg mit den Engländern", "Nieder mit Großbritannien und allen anderen Spionen" und "Wir brauchen euch hier nicht". Der Briten-Hass, der seinen bisherigen Höhepunkt nach der Ermordung eines iranischen Atomwissenschafters, für die westliche Geheimdienste verantwortlich gemacht wurden, erreicht hat, erlebt neben dem üblichen Hass auf Israel und die USA im Iran einen neuen Höhepunkt.

Iranische Medien berichten über Spionage der Briten

Die Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien halten seit Jahren an: Zuletzt gab es auch Streit über die Eigentumsrechte an dem Gartengelände des britischen Botschaftskomplexes, wo die Diplomaten wohnten. Im November 2009 hielt die iranische Marine fünf britische Segler fest. Im März 2007 nahm der Iran 15 britische Matrosen gefangen, die in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sein sollen.

Irans Medien berichteten wiederholt von "Spionagetätigkeiten der Briten im Iran" und "systematischer Aufstachelung gegen das Regime". "Die Briten haben uns in den vergangenen 50 Jahren nichts als Unglück gebracht", so ein Demonstrant. "Zu Schah-Zeiten haben sie uns das Öl billig genommen, seit der islamischen Revolution 1979 sind sie Handlanger der Amerikaner, um die Sanktionsmaschinerie gegen uns immer wieder auszubauen. Letztlich sind sie aber damit gescheitert."

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" gab sich das britische Außenamt entschlossen: "Die Sicherheit unseres Personals und anderer britischen Bürger hat für uns oberste Priorität. Daher haben wir unsere Botschaft nun geschlossen, unser gesamtes Personal hat den Iran verlassen", so eine Sprecherin. Zusätzlich riet das Außenamt von allen nicht unbedingt nötigen Reisen in den Iran ab. Eher gelassen hingegen sah Teheran die Ausweisung seines Personals aus London: Schon vor dem Sommer hatten dutzende Abgeordnete des iranischen Parlaments die sofortige Einstellung der diplomatischen Beziehungen gefordert. Der Angriff auf die britische Botschaft erfolgte nur zwei Tage, nachdem das Parlament beschlossen hatte, den britischen Botschafter wegen der westlichen Sanktionen im Atomstreit auszuweisen.