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London im Anti-Terror-Fieber: Wieder hausgemachte Attentäter?

Von Georg Friesenbichler

Analysen

Ist das endlich der Erfolg, den Scotland Yard so dringend braucht? Da die Festnahme von Verdächtigen, die angeblich die Sprengung von Flugzeugen vorbereitet haben, in Kooperation mit dem Geheimdienst MI5 erfolgte, kann man bei der Londoner Kriminalpolizei hoffen, endlich einen Coup gelandet zu haben.


Ansonsten ist ihre Erfolgsbilanz - mehr als ein Jahr nach den Anschlägen auf das Londoner Verkehrssystem, bei dem vier Selbstmordattentäter 52 Menschen mit in den Tod rissen - nämlich mehr als dürftig. Statt Fahndungserfolgen gab es Pannen. Zwei Wochen nach dem 7. Juli wurde ein Brasilianer irrtümlich erschossen, die Staatsanwaltschaft hat ein Jahr später gravierende "organisatorische Mängel" festgestellt. Bei einer Großrazzia Anfang Juni dieses Jahres wurde ein 23-jähriger Moslem angeschossen, die gesuchte "schmutzige Bombe" fand sich nicht.

Alarmieren muss aber nicht nur die bisherige Erfolglosigkeit, sondern auch, dass wie schon bei den Londoner Anschlägen die Verdächtigen offenbar aus dem eigenen Land stammen. Laut ersten Meldungen soll der überwiegende Teil der Festgenommenen in Großbritannien geboren worden sein. Wie die Attentäter vor einem Jahr dürften sie pakistanische Wurzeln haben.

Wieder wird rasch vermutet, das Terrornetzwerk Al-Kaida könnte seine Hand im Spiel gehabt haben. Aber schon bei den Londoner Anschlägen konnte eine solche Verbindung nicht nachgewiesen werden, wie es in einem Untersuchungsbericht vom April heißt. Lediglich die Rolle von Islamschulen in Pakistan wurde mehrfach thematisiert.

Zum einen würde sich damit einmal mehr die These bestätigen, dass es sich bei Al-Kaida um keine hierarchische Organisation handelt, an deren Spitze Osama bin Laden steht. Vielmehr bilden sich in einzelnen Ländern kleine Zellen militanter Islamisten heraus, die sich höchstens auf das Al-Kaida-Vorbild berufen. Damit ist allerdings der Terrorismus um so schwerer zu bekämpfen.

Zweitens rückt der radikale Islamismus in Pakistan wieder ins Zentrum der Beobachtung. In dem Nachbarland Afghanistans, in dem die Taliban viele Sympathisanten haben, werden auch die Hintermänner für die Anschläge von Bombay vermutet, die mehr als 200 Passagiere von Vorortezügen das Leben kosteten.

Drittens ist einmal mehr die Integrationspolitik in Frage gestellt - in Großbritannien wie auch im Rest von Europa. Diese scheitert nicht nur an dem Unwillen von Zuwanderern. Iran-Streit, Irak- und Libanon-Krieg bestärken junge Moslems in dem Glauben, es sei längst ein Kampf der westlichen gegen die islamische Zivilisation im Gange.

Die britische islamische Gemeinde hat einen solchen zivilisatorischen Konflikt auch beim Anti-Terror-Kampf geortet: Mehrfach wurde der Vorwurf erhoben, Scotland Yard sei einseitig und vorschnell gegen Muslime vorgegangen. Wäre dies auch diesmal so, ginge der Schaden weit über eine Blamage hinaus. Seite 3